Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
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Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![diese Anschauung doch bedenken, daß sie in ihren Lazaretten ein sehr ausgesiebtes Material hatte, denn die schwersten ^Verletzungen ließen sie den Japanern zurück. Diese aber sahen sich bald genötigt, hei Schädel- schüssen energischer vorzugehen. Sie haben die Tangentialschüsse und komplizierten Schädelbrüche in den Kriegs- und Reservelazaretten, wie in Friedenszeiten behandelt: Erweiterung verunreinigter Wunden, Reini- gung, Extraktion aller faßbaren Fremdkörper. Das scheint mir das richtige Verfahren zu sein und nicht das laisser aller! Auch Oettingen spricht zu Gunsten eines aktiveren Vorgehens. Guß eff beklagt, daß er die Schädelschüsse erst vom 4.—8. Tage nach der Verwundung in die Hand bekommen habe und beweist an 18 Fällen, daß an üjnen niclit die Trepanation rechtzeitig verrichtet war. Sie wai'en alle infiziert, l^is starben von ihnen 8. Von 8 AVerwundeten mit ausgebildetem Hirnabszeß starben 4. A^on 10 Verwundeten, bei denen kein lokalisierter Herd be- stand, sondern nur eine äußere Infektion der stai’k zersplitterten KnocJien, starben auch 4. Die anderen 10 blieben am Leben. Es stehe fest, daß ein großer Teil der Gehirnschüsse operiert Averden müsse. Darum Aväre es besser die Infektion, die, wie die Gehirnabszesse, nicht imme]- von Temperaturerhöhung begleitet sei, nicht erst abzinvarten. Tangential- schüsse, bei denen nur die äußere Tafel eingediLckt sei, geliörten doch zu den größten Seltenheiten. Auch Dergushinski berichtet 8 ausge- zeichnete Resultate nach Extraktion von 2 A^ollmantelgeschossen und einer Shrapnellfüllkugel, die in 2 Fällen 5 Alonate, in einem 0 Alonate im Hirn gesteckt hatten. Sie saßen in oberllächlichen Gehirnteilen und waren leicht zu extrahieren. Man soll dabei nach den Projektilen nicht lange und verletzend suchen. Sie müssen (Inrch Roentgenbestrahlung nachgCAviesen sein und ihre Entfernung darf kein Avichtiges Gehirnfeld verletzen. Heule hat zAA^ar 5 Projektile einheilen lassen und nur ein Stück eines zersprengten Shrapnells entfernt. Damit ist aber noch nicht bcAviesen, daß sich diese Fremdkörper ruhig verhalten Averden. Je später man beim Gehirnabszesse operativ eingreift, desto aussichtsloser ist das Averfahren. A^on der Gefahr der rohen und frühzeitigen Transporte der Schädelverletzten haben uns v. Zoege-AIanteuffel, v. Oettingen, Lloorn und andere die schlimmsten Erfahrungen mitgeteilt. Zum Schlüsse noch eine Beobachtung, die Matthiolius mitteilt: Ein nach einer Kopfverletzung mit Kugelretention geheilter Patient, der noch aphasisch war, stolperte bei einem Ausgange und konnte bald darauf sprechen. Cholin erwähnt einen Schuß durch die rechte Schläfengegend. Sofort traten linksseitige Lähmung, Pulsverlangsamung und epileptische Anfälle ein. Nach Er- w^eiterung der Knochenwunde konnte der Patient geheilt nach 3 Wochen evakuiert werden. Es fragt sich wie lange? Nur die linke Hand blieb schwach. Anhang: Kriegspsych osen i). Durch den Krieg steigt die Zahl der Psychosen bei den Soldaten, besonders aber bei den Offizieren beträchtlich und zwar mit der Dauer des Krieges und noch über diesen hinaus (Stier). Oserezkowski 1) Literatur: Awtokratow, Allg. Zeitschr. f. Psych. Bd. 64. — Borisch- polki, Deutsche militärärztl. Zeitschr. 1904, auch Russ. med. Rundsch. 1906. 50. Bd. 8, Militär. Wochenbl. 1906. 40. — Evakuation geisteskranker Soldaten etc. Russ. med. Rundsch. 1906. S. 748. — Honigmann, Monatsschr. für Psych.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0120.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


