Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
Licence: In copyright
Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
132/172 page 124
![Ts um da auf Senns Vorschlag ein eigenes Lazarett für Laparotoinieii eingerichtet — doch darin die schlechtesten Erfolge geliabt. Wenn der erste Patient operiert war, Avar es oft für den zweiten sclion zu spät. Nach Ham mar starben von 10 Laparotomierten alle. Man Avurde l)ah] klug und unterließ die Operation. So starben von 7 Fällen nur 3 und diese kamen alle direkt von den Schlachtfeldern. Nur Optimisten un- Amrbesserlichster Art können noch die Hoffnung auf eine Avirksame Laparotomie auf dem Verbandplätze behalten. Drei Ledingungen aber müssen zum Gelingen der konservativen Behandlung unter allen Ver- hältnissen erfüllt werden : ruhige Lagerung der Bauchschüsse, Veiineidung jeder Nahrungsaufnahme und jeden Transpoides. AVreden sah die Vei- wundeten auf der Zentralstelle Sujatnu. Die Patienten, Avelclm un- mittelbar nach der Ankunft sicher und ruhig gelagert blieben, kamen oft noch durch, Avährend die. Aveiter verscldepplen meist auf den Trans- porten starben. Nach der Schlacht am Schaho hatte von Osten-Sacken einem Patienten einen Darmvorfall reponiert. Der stille Patient war in dunkler Ecke eines Schuppens liegen geblieben. Erst am 3. Tage meldete er sich wegen Harnbeschwerden. Die Wunde war geschlossen, das Allgemeinbefinden gut, nur ein Hämatom am Darm erregte noch Bedenken. Mehrere andere ähnliche Fälle waren im Hintergründe einer Fansa de- poniert und 24 Stunden ohne Nahrung und Pflege geblieben. Nur Opium hatten sie regelmäßig erhalten. Später konnte sich Osten überzeugen, daß die Patienten ge- nesen waren. Loennquist heilte 24 Patienten mit perforierenden Bauchwunden, die vor und nach der Verletzung 15 Stunden nüchtern geblieben waren. AuchWeressäjew berichtet von einem Verwundeten, der mit einer perforierenden Bauchwunde erst am 3. Tage auf dem Schlachtfelde aufgefunden wurde. Die Wunde war fast geheilt, Patient außer Gefahr. Er hatte die ganze Zeit keine Nahrung zu sich genommen. Die Mukdener Aerzte widersetzten sich dem Befehle, alle Verwundeten zu evakuieren und richteten für 24 Schwerverwundete eine Baracke ein. Sie sind alle geheilt, der eine überstand eine partielle, der andere eine eitrige Peritonitis. Die Organverletzungeii sollten bis zur Heilung in demselben Hospitale verbleiben und in einem Zimmer liegen. AAAnn es eine dringende Indikation für die primäre Laparotomie im Felde gäbe, so wäre es die Blutstillung in der Bauchhöhle bei der Verletzung großer Gefäße. Ich habe keine geheilten I'älle der Art in der Literatur des asiatischen Krieges gefunden. Prolabierte unverletzte Därme Avurden aseptisch reponiert, verletzte aseptisch bedeckt. Eine spät eintretende septische Peritonitis mit Febris hectica, Durchfällen und Ileus zAvang Schaefer zu einem operativen Eingriff, doch mußte er abgebrochen Avcrden, weil die Därme in ein Konvolut verklebter Schlingen verwandelt Avaren, zwischen denen multiple kleine iVbszesse sich fanden. Unter 16 Shrapnellverletzungen Bornhaupts hatten nur 2 einen Ein- und Aus- schuß. Auch Shrapnellkugeln können die Bauchhöhle durchlaufen ohne die Ein- Eingeweide zu verletzen und reaktionslos einheilen. Sind die Organe aber umfangreich zerstört, so tritt auch der Tod immediat ein. Bei leichteren Organverletzungen können sich Infiltrate unter Fieber bilden, die sich lösen oder der Operation zugängig werden. Die zurückgehaltenen groben Geschosse erzeugten in der Bauchhöhle leicht Eiterungen und sollten daher so frühzeitig Avie möglich entfernt Averden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0132.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


