Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
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Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![Empfange im Weißen Hause eine Medaille für Tapferkeit überreicht wurde, weil er Wcährend der Schlachten in Kuba mehrfach Verwundete auf dem Rücken aus dem Feuer getragen und, ohne des eigenen Lebens zu achten, verbunden hatte. Ein neues Lied vom braven Manne! Wer sollte es nicht gern und dankbar hören? Aber bei Lichte besehen hat doch der barmherzige und tapfere Mann durch seine schwer be- lastete und daher weithin sichtbare Figur sich und seine Verwundeten weit mehr gefährdet, als er ihnen durch seine Verbände nützen konnte! Ein englischer Arzt rühmt von den schlecht besoldeten, ohne jede freieTnitia- tive arbeitenden, unter beständigem Drucke der Unterordnung unter die Offiziere seufzenden russischen Aerzten: „Unter dem heftigsten Kugelregen verbinden sie die Verwundeten, gehen zur Attacke Fuß an Fuß mit ihren Regimentern vor, lesen die Gefallenen auf, ohne die Tod und Verderben sprühenden Geschütze des Feindes zu beachten und lindern die Leiden Anderer, ohne an die eigene Sicherheit zu denken!^ Das ist ein unverwelkliches Ruhmesblatt für die russischen Aerzte! Aber doch nicht zu billigen! Auch bei den Japanei’n blieben 2 Aerzte, 4 Krankenwärter und 12 Krankenti'äger pro Regiment von Anfang bis zu Ende der Schlaclit liinter der Tiraillenrlinie, denn der japanische Soldat, so ruhig und todes- mutig er auch in die Schlacht geht, will doch auch seinen Arzt immer bei sich haben. Der Arzt hatte also das traurige Los, nutzlos, nur als Beruhigungspulver, erschossen oder verwundet zu werden. Franz und Steiner heben rühmend hervor, wie tapfer und unermüdlich sich auch die japanischen Aerzte dabei benahmen und wie findig sie in der Aufsuchung von Deckungen aller Art waren. Matignon sah einem japanischen Arzte von ferne zu, der auf einem chinesischen Kirchhofe hinter Gräbern versteckt 200 m hinter der Feuerlinie mit erstaunlicher Seelenruhe seine Verwundeten verband! Für diese geringen Erfolg versprechenden, gefahrvollen Dienstleistungen ist das Blut der Aerzte reichlich in Asien geflossen: bei den Russen sind 21 Aerzte gefallen, 21 verwundet, 28 gefangen, von den Sanitätsmannschaften 193 gefallen, 297 ver- wundet und 47 gefangen. Bei den Japanern sind 27 Aerzte gefallen, 71 verwundet worden [41 an Krank- heiten gestorben (Matignon)]. Davon sind bei Mukden allein 5 (3 durch Artillerie- waffen, 2 durch Infanteriewaffen) gefallen und 23 verwundet (15 durch Artilleriewaffen, 8 durch Infanteriewaffen). Von den Mannschaften und Offizieren der Sanitätsmann- schaften sind bei Mukden gefallen 62 (22 durch Artilleriewaffen und 40 durch In- fanteriewaffen) und verwundet 391 (168 durch Artilleriewaffen und 223 durch In- fanteriewaffen). So waren die Verluste der Sanitätsmannschaften ebenso groß wie die der Kombattanten: bei der 2. Armee 14,7 pCt. gefallen und 85,3 pCt. verwundet J 14. Q Sö 1 y, y '-’• y „ „ Die Verluste durch Artilleriewaffen waren bei den Aerzten aber viel höher als bei den Truppen, denn es wurden durch sie bei der 2. Armee 18,5 pCt. getötet und 42,3 pCt. verwundet ,, „ 3. „ 50,0 ,, „ ,, 51,0 „ „ Besonders schwer litten die Kombattantenträger der Regimenter der 2. Armee. Auf 840 der 2. Armee kamen 10 Tote und 75 Verwundete = 1,9 : 8,8, wcährend von den Trägern der Sanitätskompagnien auf 0,38 Tote 6,22 Verwundete kamen. Von den 240 Infirmiers der Regimenter sind bei der 2. Armee 12 getötet und 54 verletzt = 5 : 22,5, bei der 3. von 186 18 getötet und 43 verwundet = 9,6 : 23,1. 9=*=](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0139.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


