Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
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Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![die gesicherten voi- derselben. Da die modernen GescJiosse Fingbalinen von sehr niedriger Scheitelhöhe haben imd zwar eine um so niedrigere, je näher sie dem Ziele kommen, so können schon kleine Anhöhen von 2,5 bis 3 m auf 600 m Entfernung vom ScJiützen unbestrichene Käume und tote Winkel schaffen, die zur Enichtung eines Verbandplatzes, selljst in der Feuerlinie eine genügende Deckung gewäliren kömnen. Das hat sicJi auch in Asien bestätigt, denn die Gräber chinesiscliei- Kircliliöfe, die Betten ausgetrockneter Flüsse etc. haben einen i’elativ günstigen Schutz gewährt. Je höher also das Ziel und je rasanter die Flugbal]n ist, um so seltener kommen gesicherte Räume bei den Aveittragenden Waffen zustande. Es geliört aber eine gute Gefechtsübung und ballistisclie Erfalirung dazu, sie aufzufinden. Tüchtige Kompagnieführer verstehen es! Die Sanitätsmannschaften müssen es in den JJanövej-n lernen, denn eine Truppe hat noch niemals etAvas im Kriege geleistet, Avas sie nicht vorher im Frieden eingeiüjt hatte! Immerhin ist diese Aufgabe im be- haglichen Friedensversuclie leicht, unter dem Donner der Geschütze imd dem Massenfeuer der Infanterie sehr scliAvei-, denn solche gesicheiden oder gedeckten Räume bieten avoIiL den liegend kämpfenden Truppen Schutz, doch den aufj-echt oder knieend aiFeitenden Sanitätsmaimschaften nicht! Es gehört noch eine Geländedeckung dazu! Vorhanden sind aber auch diese, Avie die SchAveizer durch interessante Versuche in Frankreich nachgcAviesen haben. Sie fanden, daß wähi’end aller blutigen Kämpfe vor Metz tatsächlich 500—600 Schritt hinter der Feuerlinie Deckungen im Gelände für die Anlegung * der Verbandplätze vorhanden geAvesen Avären. Sie in der Not zu linden, das ist die sclnvere Aufgabe! Bestimmte Deckungen sollte maii aber doch vermeiden, so sind z. B. Wälder Avegen der Gefahr der Flolzsplitter, Mauerwerk wegen der dei* Steinsplitteig Häuser wegen der Feuersgefahr nicht die geeigneten Orte für die Eta- blieJimg der Verbandplätze, A\de die brennenden in Frankreich gezeigt haben. Die Japaner bevorzugten Steinbrüche, Kiesgruben, HohlAvege. das Bett gefrorener oder getrockneter Flüsse mit Avallartigen Ufern, Avelche nicht der Schußrichtung der Kanonen parallel liefen, zu diesem ZAvecke. Auch sie gaben keine absolule Sicherheit, denn die feindlichen Kanonen bestrichen das Gelände bis auf 6 km und die Flinten Aveit über 2 km. Auch änderte die Artillerie oft ihre Position und Schuß- richtung so schnell, daß die Verbandplätze mit Granaten überschnittet wurden. Ara 1.3.1905 befand sich ein japanischer Verbandplatz 400 ra von der Schützen- linie gut in einem solchen Flußbette untergebracht. Plötzlich änderte die feindliche Artillerie ihre Position und Schußrichtung und sandte Granaten und Shrapnells in Menge längs des Flußbettes. So mußte man Alles schnell abbrechen. Wie wechselvoll die Geschiebe einer fliegenden Kolonne in einer Schlacht werden bonnten, darüber hat uns Hohlbecb folgendes berichtet: Seine Kolonne Maria Feo- dorowna mit 24 Pferden und Maultieren, 3 Kranbentransportwagen, einer Teebüche und 2 zweirädrigen Proviantwagen hatte beiWafangou eine guteStellung für einen Verband- platz gefunden, bebam aber bald einen so heftigen Geschoßhagel, daß sie aufbrechen und weiter nach hinten sich etablieren mußte. Man bebam nur wenig Verwundete. Nachmittags mußte man wieder weiter zurüebgehen und sich mit einem Divisions- lazarette in einem bleinen Wäldchen vereinen. Erst am andern Tage nachmittags](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0142.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


