Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
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Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![braucht. Sie wurden auch bei den Küssen wenig geübt. Auch fehlten die A^orrichtungen dazu. V. Osten-Sacken berichtet von Kochsalzeinläufen bei einem Sol- daten, dem ein Fuß abgerissen, der andere zerschmettert war. Er kam fast ausgeblutet auf den A^erbandplatz. Sie waren erfolglos. c) Die Untersuchung der Schußwunden. Ich AYürde es für einen sclnveren Raub halten, von Bergmann ein Blättchen aus dem reichen Lorbeerkranze, der sein Lebenswerk grün und duftig umzieht, zu reißen, Aveiß aber, daß er sich selbst dagegen gewehrt hat, Avenn ihm falsche Blätter oder solche, in denen Lakritzen geAvickelt Avaren, hinein geschoben werden sollten. So kann man es, ohne ungerecht zu AA^erden, dem kurzen Gedächtnis unserer Tage doch Zurufen, daß es nicht v. Bergmanns, sondern Stromeyers A^erdienst Avar. die Sonde aus dem Besteck der Kriegschirurgen zu verbannen. Die Finger nicht in die SchußAvunden einzubohren, Avie Avir es noch 1864 übten, ist schon seit 1866 und 1870 bei uns Grundsatz gewesen. Non manibus sed oculis! So steht es über der Diagnose der Schußwunden auf dem A’erbandplatze! Der Grundsatz scheint aucli in beiden Heeren Geltung gehabt zu haben, besonders bei den Japanern. Die Russen übten noch vielfach das Sondieren. Der BeAveis ist längst erbracht, daß auch ohne jede Berülirung die Diagnose einer Schußwunde mit großer AAAhrscheinlichkeit gestellt Averden kann und das genügt für die Aufgaben der A^erband- plätze. Die Russen entblößten den verletzten Körperteil nur so Aveit, daß sie die Wunde übersehen und gut verbinden konnten, die Japaner aber entfernten die Kleider ganz. Eine Methode AAÜrd wie die andere nötig sein. Avenn man richtig untersuchen und gut verbinden Avill. Freilich ist es mißlicli, die von Blut und Schmutz starrenden Kleider Avieder über die verbundene AVunde zu legen, doch gebt es im Kriege nicht anders. Bei den Japanern Avurde der Befund auf einer Diagnosentafel eingetragen, die dem AerAvundeten mitgegeben und von ihm als ein Heiligtum auf- boAvahrt Avurde. xluch fügte man auf einem Diagramm eine Skizze des Avahrsclieinlichen Kugellaufes in scliAvierigen Fällen hinzu. So Avar jeder Arzt, dem der A^erAvundete in die Hände fiel, einigermaßen unterricJitet. Bei den Russen Avar leider die Ausfüllung der Diagnosentäfelchen auf den AMrbandplätzen bei dem übereilten Zusammenraffen der A^ er wendeten meist unmöglich, sie Avurde auch, Avenn man von der Kolonne dei^ Kaiserin Alutter absieht, selten versucht. Dadurch Avaren auf allen Stationen immer neue Untersuchungen mit Infektionsgefahren der AVunden geboten. Die Diagnosenlisten, welche die Russen dafür hatten, waren zu umständlicli für die Abfassung und von keinem Nutzen für die spätere Behandlung der A^erAvundeten. von Oettingen führte erst farbige Zettel, dann Buchstaben behufs Sortierung der VerAAmndeten ein, von Zoege- A1 anteuf fei gab AAMndtäfelchen. Wir können hier gleich hinzufügen, daß es die Russen auch unterließen (von den deutschen Ciiirurgen: V. Oettingen. v. Zoege-AIanteuffel, Bornhaupt, Brentano usav. abgesehen) schriftliche Mitteilungen über die Diagnose, die bisherige Be- iiandlung und den AATmdverlauf von Lazarett zu Lazarett mitzugeben. H. Fischer. Kriegschiriirg. Rück- und Ausblicke etc. ][Q](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0153.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


