Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
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Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![Bei den Japanern wurden aucli solche Bericlite von Hand zu Hand ^e- scliickt. d) De]’ Wundverband. Es tut mir leid, bestreiten zu müssen, daß die Heilung unter dem Schorfe erst bei den Schußverletzungen durch Hartbleimantelgescliosse beobachtet sei. AVir liaben sie in allen unseren Kriegen gesehen und auch beschrieben. Die AVürzburger Aerzte in Ludwigslust sahen schon 1866 15 pCt. der Schußwunden so heilen. Sie ist abei’ bei den durch moderne SchußAvaffen erzeugten Verwundungen zur Regel geworden und auch bei den sclnveren Verletzungen in xAsien häufig beobachtet. Daß dabei niclit die. Asepsis oder Antisepsis eine wesentliche Rolle gespielt hat, geht aus der Tatsache hervor, daß auch bei Wunden, die ohne jeden Verband und ärztliche Hilfe geblieben waren, die Heilung unter dem Schorfe in Asien öfter zu stände kam. Alan hat daraus immer wieder den Vorschlag hergeleitet, die Schußwunden durch die Xalit zu schließen. xVuch in Asien sind solche Versuclie gemacht! Gewiß mit Unrecht, denn die Heilung unter dem Schorfe trat ja auch olme Xaht ein. Sie kann unter Umständen durch einen Wundverschluß gefährlich werden, Aveil sii^ durch Retention der Sekrete AYundinfektionen begünstigt. Ich muß auch weiter daran erinnern, daß ein Okklusionsverband von jeher bei den Schußwunden verrichtet worden ist, auch daß Avii- die Antisepsis, so Aveit sie bekannt Avar, also noch nicht in Listerscher A^ollpi’acht, in Frank- reich geübt haben. Imbriaco sagt: „1870 bedeutete die Einführung der xAntisepsis in die Kriegschirurgie einen AAAndepunkt, herbeigeführt durch die deutsche Chirurgie. Alan unterließ das Sondieren der AAAinde und hörte mit der Kugeljagd auf. All- gemein Avurde von dem Grundsätze ausgegangen, daß die Prognose der SchußAVunden mehr von dem Chirui'gen, der si(' behandelt, abhängt, als von der AVunde.“ von Bergmanns Verdienst besteht in der Einführung der Asepsis in die Kriegschirurgie und der AVarnung gegen die Polypragmasie auf dem Verbandplätze, Avenn auch die Frage noch offen stellt, ob die aseptische oder antiseptische Alethode auf dem A’^erbandplatze den A'orzug verdient. Die Alehrzahl der Chirurgen in beiden Armeen neigten sich zu dem antiseptischen AVrband. Die Soldaten sind sehr schmutzig, die Hände der Sanitätsmannschaften bei dem Alangel an AATisser nicht minder, man liat nicht Zeit, die Umgebung der AAAinde gut zu reinigen, Handschuhe sind, Avenn vorhanden, bald verbraucht (die Japaner hatten solche, be- nutzten sie aber doch nicht Adel), von Zoeg e-Al anteuf fei tritt aber lebhaft für ihre VerAvendung im Felde ein. Da erscheint es doch geboten, ein unschädliches Antiseptikum in dem Verbandmateriale zu haben. AA^as soll Sublimat in den kleinen Dosen schaden? Alan könnte besser fragen, Avas soll es nützen? Alan hat entgegnet, das iVntiseptikum hielte sich nicht Avirksam in den Ver- bänden. Die Versuche haben die Dauerhaftigkeit des Sublimates in den Verbänden nachgeAviesen und die Erfahrung in Asien sie bestätigt. Pussep sagt: Dauernd im feindlichen Feuer, eine ungeheure Alenge Ver- wundeter, die Unmöglichkeit auch nur den elementarsten Bedingungen der Reinlich- keit am eignen Leibe und an VerAA’undeten gerecht zu Averden, ohne Wasser in Hitze](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0154.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


