Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
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Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![in Frankreich. Avaren aber nocii ^veit roher und als Hyänen des Sclilaclitfeldes sehr gefürclitet. B ehr mann aber hält sie für viel besser als ihren Ruf. Die sehr eingewohnten und stark mit Menschen besetzten Wolmungen sowohl als die Straßen wuiren außerordentlicli schmutzig. Man liatte große und docli nur teilweise lohnende Mühe, die Stuben für chirurgische Zwecke lierzuricliten. Aller Unrat wurde auf die Straße geAvorfen und Hunden und ScliAveinen als Nahrung überlassen. AVas sie niclit Avollten, verfaulte. Von Epidemien ist das Land verscliont, Typhus exanthematicus kommt Avohl vor. Cholera und Pest herrschen selten, dafür aber die scliwarzen Pocken auf dem Lande in solcher Ausdehnung, daß jeder 7.—10. EinAvolmer Pockennarben hat. Tuberkulose ist selten unter ihnen. Die Japaner hatten l)ei ihren Kämpfen kein Hinterland. Sie Avaren auf Aveile Zufnliren zur See angeAviesen. Den Russen aber lieferten anfangs die mandscliurischen Felder Brotfrüchte in Mengen, die westlich dos Lias-ho-Flusses befindlichen mongolischen Provinzen trieben Vieli zu und die Eisenbahn brachte aus Sibirien Gemüse und Vorräte aller Art. Im Laufe des Krieges versiegten diese Quellen oder sie gingen aus- geschöpft an die Japaner über. So Avurde die eingleisige Bahn auch noch durch die Verpflegung der Truppen in Anspruch genommen, d. h. für eine halbe Million Menschen und 60000 Pferde in minimo! Das Avar eine scliAvere, doch glänzend erfüllte Aufgabe! Dabei sind noch enorme Vorräte an die Japaner verloren oder auf den Transporten zu- grunde gegangen. Nanh dem langen und rücksichtslos geführten Kriege ist die blühende Mandschurei veiwüstet und der fleißige chinesische Bauer zum Bettler geAvorden, da er Imst, Mut und Mittel zur Bearbeitung seines Landes verloren hat! Noch ein paar IVorte über Port Arthur Q! Es liegt an einer Bucht, die mit dem Meere durch einen 900 m langen Kanal verbunden ist. Der (»stliche Teil derselben ist allein als Hafen zu gebrauchen, der östliche völliff verschlammt. Rings um den Hafen liegt die schmutzige Chinesen-, am Nordufer die neue Russenstadt. Der Lunho teilt das Gelände in ••in östliches. „Drachenberge“ genamites, in zwei isolierte Rücken 'Sjagushan [129 m] und Dagushan [202 m]) auslaufendes bergiges Terrain, das durch tiefe Mulden zerrissen ist, und ein nördliches, ..A olfsberge** (das bis zur Höhe von 200 m aufsteigt) genanntes, und •‘in Avestliches mit durchbrochenen Höhenzügen, dessen Kulminations- punkt die beiden Kuppen des „Hohen Berges“ bilden (203—211 m). Der lehmige Boden liefert außer Goaljar und 3Iais nichts. Die Sommer- regen machen ihn grundlos. Die eingleisige mandschurische Bahn sendet vom Knotenpunkte Charbin ab einen Ausläufer nach Dalny und Port Arthur. Die fortifikatorischen Arbeiten Avaren natürlich nicht fertig, als der Krieg begann. Vom Juli 1904 ab konnte daran nicht Aveiter gearbeitet AA'erden. 1' Literatur: .Steiner, Militärarzt. 1908. No. 11.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


