Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
Licence: In copyright
Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
30/172 page 18
![bedürfnisreiclien Völkern Earopas ihr Bild voi-zuhallen! So hat sich auch wieder an ihnen der alte Satz bewährt, daß Glück und Erfolg ini Kriege auf die Dauer nur der Nüchterne und Tüchtige hat. Nicht dei- Drill schafft Sieger, Avie inan wohl bei uns 1870/71 sagte, denn die Russen hatten den besten, sondern der entschlossene Wille des Mannes zum Siege! Und der beseelte die kleinen japanischen Soldaten! Die Armeeverwaltung hatte alles für den Krieg mit langer Hand,nach deutschem Muster vorbereitet, so auch das .Militär- und Kriegs-Mcdizinal- wesen, um den sorglosen Gegner mit asiatischer List plötzlicli überfallen zu können. Die vollzähligen Militärärzte (alle graduiert) liatten ein tüchtiges Wissen und sicheres Können, teils aus deutscher Hand, teils ans eine]- besonderen militärärztlichen Schule empfangen. Doch besaßen sie nach dem Urteil der Franzosen von den drei Kardinaltuga'nden eines Chirurgen: Luxaugen, Jungfrauenhände und ein Löwenherz, die mittlei-e nicht. Man hatte zwar alle berühmten Spezialärzte des Landes zui- Krankenpflege herangezogen, doch nicht für den Dienst in erster Jinie, sondern nur für die Reservelazaj-ette, in Avelche die Japaner die ganze große Chirurgie und Krankenpflege verlegt batten. Vor dem UeiiKh' standen nur Berufssoldaten, die nur das dringendste Bedüi-fnis an den Wunden stillen durften. Die aus der Rescj-ve eing('zogenen oder frei- willig eingetretenen Aerzte hatten nur nu'dizinische Fachschulen ab- solviert und Avaren zwar dienstlich unlüchtigAu- als die reglementären, doch bei Aveitem nicht in dem Grade Avie die ]-ussischen, denn si(' l)e- wahrten Nüchternheit und hielten gute Disziplin, letztere freilich nicht nach preußischen Ansprüchen, die ja keine Armee der AVelt Aveiter kennt und stellt, aber auch erfüllt. Die Aerzte hatten eine selbständige nach Rang und Gehalt gesicherte Stellung und hingen nichl von den Generälen ab, Avie die russischen. Ein Generaldirektor (Arzt) übte in Tokio am großen Hauptquartier die Leitung des gesamten MilitärsanitätsAvesens aus, bei den mobilen Truppen ein x4rmeearzt. Ihm unterstand ein Bureau mit 3 Unter- abteilungen (die erste bestimmt für die gewöhnlichen Angelegenheiten auf dem Ki'iegsschauplatze [2 Aerzte, 1 Apotheker], die zAveite füi- Hygiene und Infektionskrankheiten bei der Feldarmee [3 Aerzte]), die dritte für Krankenpflege in den Garnisonen [3 Aerzte]. Hier befand sich auch das Zentraldepot für Sanitätsmaterial (unter einem xVpotheker). Unter dem Chef des Sanitätswesens in Tokio standen 8 Armeeärzte: ein Chef des Krankenhauses vom Roten Kreuze in Tokio, ein Chef des roten Kreuzes in Hiroshima, 2 in Formosa, 4 bei den mobilen Truppen. Jede Division hatte einen Divisionsarzt, jede Etappeninspektion einen Ober- arzt, das Infanterieregiment 6 Aerzte, 15 Sanitätsunteroffiziere, 12 Kranken- pfleger und 24 Krankenträger (rote Binde am rechten Oberarm und nicht neutral), 4 Sanitätskasten und 4 Tragen (auf Packpferden). Der Hauptverbandplatz Avurde ausgerüstet mit einem Besteck (Skalpellen, Rasiermessern, Scheren, scharfem Löffel, Haken-, geAvöhnlichen uncl Peanschen Pinzetten, Hohlsonden, Metallkathetern, Metallkästen für Seide und Nadeln (Tracheotomiekanüle fehlte!) Außerdem hatte jeder Militär- arzt ein solches (Pinzetten aller Art, Scheren, Hohlsonde [zugleich Arterienhaken], Unterbindungspinzetten [zugleich Nadelhalter], Skalpelle, Seide und Nadeln). Die Sanitätsunteroffiziere trugen -in braunen Lein-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


