Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
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Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![licliei] Instanzen ausgeM'ählt, geprüft und überwaclit sein. Dieser Grund- satz gilt besonders für die Krankenpflege iin Felde! Dazu werden sich aber die Vorstände der evangelischen Diakonissenhäuser niemals ver- stehen, vielinelir weiter verlangen, daß inan nimmt, was sie bringen und daß ihnen die Strafgewalt über ihre Mitglieder allein zusteht. Wer will ihnen das verdenken? Es geliört zu iliren Satzungen! Aber für den strammen Kriegslazarettdienst liegt in dieser Nebenregierung, die sich oft stark vor- drängt. eine Gefalir und eine Hemmung. Der Wirkungskreis der kirchlich gCAveihten Diakonissen hat sich heute über die Krankenhäuser Jiinaus in die Gemeinden erstreckt, von der Hospitalpllege auf die häusliche Pflege der Kinder, der Krüppel, der Kranken, der Verletzten und Siechen im Lande und damit viel Segen, Trost, Hilfe und Linderung in die mancherlei gToßen Nöte des Leibes und der Seele der Mühseligen und Beladenen durch Dorf und Stadt gebracht. Wir wollen es recht dankbar und froh anerkennen, daß der arme Fabrikarbeiter und Bettler in niedriger Hütte bei Kranklieiten eine Diakonisse zur Seite hat, und daß überall, wo Elend und Sorge mit bleichem Finger an die Türen klopfen, auch eine Scliwester trostreich mit eintritt. ‘Damit ist natürlich das Bedürfnis an Diakonissen beträchtlich gestiegen, leider aber nicht der Zugang von tüchtigen und berufenen Frauen zu den beständig mit neuen Arbeiten und Aufgaben belasteten alten und für besondere Zwecke neu gegrün- deten Diakonissen-Mutterhäusern. Er hat eher ab- als zugenommen! Der Grund für diese betrübende Tatsache liegt auf der Hand. „Sich aus- leben.“ ..Ausbilden einer schönen Persönlichkeit,“ sind die Ideale unserer Zeit! Schwesterberuf aber heißt Gehorsam, Selbstverleugnung, Aufgeben des freien Denkens und eigenen Willens. Für die katholischen Schwestern, die von Jugend auf von den Eltern zur Nonne bestimmt und erzogen werden, ist es leicht, ihre Persönlichkeit völlig aufzugeben und welt- fremd zu werden. Ein Gelübde bindet sie. Anders liegt die Sache bei den evangelischen. Sie sind in der Welt, von keinem Gelübde beengt, und sollen doch nicht von der Weit sein. Die schweren Aufgaben des Kranken- und Hospitaldienstes, die amtliche Gebundenheit, die kirchlichen Einrichtungen und die stramme Zucht der Mutterhäuser stimmt nicht mehr mit den nach 3Iännerarbeit und Männerfreiheit lechzenden und ringenden Bestrebungen und mit der überragenden Vorbildung (um nicht zu sagen V^erbildung) unserer Frauen. Die besonders zum Diakonissen- dienst berufenen Töchter aus den Beamtenfamilien, namentlich aus den evangelischen Predigerhäusern, bleiben ihm daher fern. So müssen die Mutterhäuser weniger wählerisch in der Annahme neuer Schwestern und minder strenge in den dienstlichen Anforderungen an sie sein, wenn sie den beständig wachsenden Nachfragen und den das Maß ihrer Leistungsfähigkeit weit überschreitenden übernommenen Verpflichtungen nachkommen wollen. Es bringen daher die Diakonissennovizen nicht die gute Schulbildung mit wie früher, es fehlt ihnen oft auch die Fein- heit und Freundlichkeit der Sitten, das weiche Herz und die linde Hand zu ihrem schweren Beruf. xVuch ihre körperliche Leistungsfähigkeit muß nachlassen. wenn man gezwungen ist, schwächliche, kränkliche, selbst verkrüppelte und ältere Mädchen als Diakonissen in den Dienst zu stellen. Daher sterben so viele Diakonissen an der Tuberkulose. Des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr, die Einengung des Lebens, die von Jahr zu](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0045.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


