Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
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Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![fizierte und nicht infizierte Materialien hatten. Sie konnten Kleidungsstücke und ganze Gebäude desinfizieren. Blau und Vage des benutzten die Gastrommeln unter den Waggons als Desinfektoren, nachdem sie diese mit der Lokomotive in Verbindung gebracht hatten, um sie von Dämpfen durchströmen zu lassen. Zum Trocknen um- gaben sie die Trommeln mit einem Außenmantel, in den sie nun die Dämpfe leiteten, oder fügten eine zweite Leitung hinzu. Mit diesen A^orriclitungen konnten iin Winter 40 000 Pelze desinfi- ziert Averdeii. die man für milzbrandverdäclitig erachtete. In Tschita, Charbin. Chaberowo. Xikolsk-Ussnrisk waren außerdem noch große Desinfektionsanstalten eingerichtet. In Irkutsk umfaßte eine solche auch eine Dam])fbade- und AVaschanstalt. Erstere fertigte zu gleicher Zeit 300 Soldaten ab. Aehnliche, docli kleinere Anstalten fanden sich aucli in tünsk und Tsclieljahinsk. xAuch in Mukden wirkte eine große Wäscherei. Die russischen Soldaten verstanden es aber auch, sich primitive Dampf- bäder einznrichten, die ihnen volle Befriedigung gewährten. Beim Aus- bruch von Typhus und anderer Infektionskrankheiten wurden die betreffen- den I’ruppenteile mit Seris geimpft, welche gleichfalls aus Charkow und Moskau geliefert wurden. Die schlechten Stiefel (mit Pappsohlen [B ehr- mann]) wurden durch bessere ersetzt, doch sind in diesen leider zumeist nur Rückzüge angetreten worden. Eine sehr heilsame Einrichtung waren die Feldküchen. Jede Kompagnie batte eine solche. Das kleinere Modell (Brun) ging auf zwei Rädern mit einem Pferde. Es batte einen Doppelkessel, von denen der eine mit Asbest bekleidet war, um das Essen warm zu erhalten. Der Deckel ruhte auf einem gut schließenden Aluminiumringe. Im Vorderteile befanden sich Vorratskästen und hinten Vergitterungen für Holz. In 2^1^ Stunden war für eine Kompagnie abgekocht. Kleinere Apparate für Kaffee- und Teebereitung, eine Pfanne für Fleischzubereitung, selbst Brat- und Backofen waren vorhanden. Das Feuer blieb auf der Fahrt im Betriebe. Der größere, Bracinsche Typus ging auf 4 Rädern mit 2 Pferden und beköstigte mehr als 300 Personen. Die Wagen waren aber zu schwerfällig. Die Feldküchen hatten jederzeit warme Suppen und Tee vorrätig. Für eine gute Yerpllegiing war so bestens gesorgt. Der Mann bekam etwa 400—500 g frisches Fleisch pro Tag. Doch mußte der Höchst- kommandierende wie „der Selige der Frau Martlia Schwerdtlein“ auch für Brot sorgen. Das hatte anfangs große Schwierigkeiten, da die In- tendantur, wie in allen russischen Kriegen, so auch in der Mandschurei versagte. Die Truppen bekamen altes verschimmeltes Brot. Ein Stabs- arzt, der sich darüber beschwerte und Ruhrfälle in seiner Truppe darauf zurückführte, wurde von seinem Vorgesetzten stark angefahren. Den Lazarettzügen fehlte das Weißbrot, so daß die Typhösen auf der Fahrt Schwarzbrot und Fleisch essen mußten. Die Intendantur besserte sich aber bald unter General Huber und wurde der großen Aufgabe, eine MiHion Menschen und 60 000 Pferde täglich gut zu ernähren, gerecht. Den Truppen folgte das Essen und gutes Brot bis in die vorderste Schlachtlinie, wohin es durch Esel gebracht wurde. Großartige Bäcke- reien wurden vom Roten Kreuz und von der offiziellen Pflege eingerichtet. Die Mandschurei lieferte ausser Goaljar, einer Art Mais, dessen Halme bis 3 m hoch werden, dessen gemahlene Körner ein gutes Brot und auch anders zubereitete Xahrungsmittel gaben, dessen Halme als](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0049.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


