Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer.
- Fischer, H. (Hermann Eberhard), 1831-1919.
- Date:
- 1909
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Credit: Kriegschirurgische Rück- und Ausblicke vom asiatischen Kriegsschauplatze / von Hermann Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![sauber in die Hände der Feinde zu kommen, wenn es ein feindliches Geschick über sie A-erhängte. Durch diese gute körperliche Pflege Avurcle auch die der VerAAuindeten sehr erleichtert. Der japanische Soldat Avar klein aber kräftig, waffenfroli, Avetterfest, unermüdlich und willig bei Anstrengungen, gleichgiltig gegen die Gefahren und Mühen des Kriegslebens, geduldig, ruhig und ergeben bei Ver- AYundungen und getrost im Tode. Er übertraf den russischen beträcht- lich an Bildung, List und Klugheit. Sake, ein eigenartiger Keisschnaps Avurde der Truppe 2 mal in der AVoche in kleinen Portionen verabfolgt. Trunkenheit kam nicht vor bei der Truppe, auch die Offiziere lebten selir mäßig. Tabak Avar außerordentlich beliebt und Avnrde daher auch geliefert. So Avenig sittlich rein die Japaner in Friedenszeiten leben, so enthaltsam Avaren sie aucli sexuell im Felde. Matignon, der aus Frankreich gCAVohnt ist, daß der A^ater zum Sohne sagt: un jeune homme doit avoir sa maitresse, c’est convenue! berichtet mit großer BeAvunderung: „L’armee japonaise a fait une guerre (|ui a dure vingt et un mois Sans une femme — c’est un fait ])eut-etre unique dans l’histoire.“ Erst in Mukden wurden Bordelle eingerichtet mit beständiger Kontrolle der Dirnen. Die Gesunden trugen eine Tafel um den Hals, den Kranken Avurde sie abgenommen. — „Des troupes russes trainaient ä leur suite un cortege de prostituees officielles, officieuses ou degnisees sous des noms A^ariables, marquant une profession c[ui n’a (jue des tres lointains rapports avec leur metier veritable.“ Den japanisclien Soldaten Avar die AVarnung mitgegeben: eAÜtez les femmes en Chine, dont la plupart est infectee, ainsi le monde ne connaitra pas votre honte et nos enfants n’en souffriront pas.“ Später richteten die Japaner auch noch in Liaojang und anderen größeren Orten Bordelle ein und sie hatten es leicliter „diese mit lieb- lichen Geishas zu bevölkern als die Russen“ (Gädke). In Tokio bestand ein Gesundheitsamt, dessen A^orstand den Kriegs- schauplatz bereiste. Jeder Generalarzt hatte einen Hygieniker, dem ein Laboratorium zur Seite stand, neben sich. Auch Avaren die Alilitärärzte Iqggienisch gut vorgebildet. Ihnen lag es ob, die gesundheitlichen Zu- stände des Lagerortes, der Nahrungsmittel und besonders des Trink- Avassers unter beständiger Kontrolle zn halten. Auch die Alannschaften hatten die notAvendigsten Kenntnisse in der Flygiene und trugen ein kurzgefaßtes Büchelchen bei sich, in dem sie sich über alle Gefahren des Kriegerlebens, des Marsches, der Nahrung, der AVohnung und des AA'assers belehren konnten, auch gute AuAveisungen zur AbAvendung der- selben fanden. Sehr wüchtig Avar die streng geübte Ueberwachung der Eingeborenen auf Infektionskrankheiten und die sofortige Isolierung Erkrankter und Desinfizierung ihrer AAAlmungen. Als Getränk standen Tee und Milch obenan. Tee besonders gehörte zur täglichen AArpflegung und Avar überall, auch auf den Alärschen und Avährend der Kämpfe bereit. Die Ingredienzien zu seiner Bereitung führten die Truppen stets mit sich. Der Japaner liebt eine stickst off arme Nahrung und ist doch (AAÜe ja die A^egetarianer bei AAAttläufen Sieger zu' sein pflegen) körperlich außer- geAvöhnlich leistungsfähig. Der durchschnittlich 1,54 m große Soldat](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28986556_0052.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


