Volume 1
Lehrbuch der speciellen Chirurgie : für Aerzte und Studirende / von Franz Koenig.
- Franz König
- Date:
- 1898-1900
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Credit: Lehrbuch der speciellen Chirurgie : für Aerzte und Studirende / von Franz Koenig. Source: Wellcome Collection.
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![ziehen, die Operation verlangen. Wir haben bei der Besprechung der Behand- lung der complicirten Comininutivfractur bereits das meiste hierauf Bezügliche mitgetheilt und können daher auf das betreffende Capitel verweisen. 1). Geliirndruck bei Blutungen innerhalb des Schädelraunis, § 43. Wenn wir hier zunächst die Blutungen in die Gehirnsubstanz, welchen wir eine gesonderte Besprechung widmen, ausschliessen müssen, so bleiben uns wesentlich die aus den in der Dura mater eingebetteten Gefässen stattfindenden Hämorrhagien, sowie solche, welche durch Zerreissung der den subduralen Raum durchdringenden und der innerhalb der Pia verlaufenden Gefässe entstehen, zu betrachten. Wir verweisen zum Verständniss der hier folgenden Erörterungen auf den pathologisch-anatomischen Theil, in welchem wir die fraglichen Verletzungen besprachen. Dort (§ 14 u. f.) haben wir ausgeführt, dass die Blutungen in dem arachnoidealen Raum als häufige durch Zerreissung der diesen Raum durch- schneidenden Gefässe eintretende Ereignisse die wohlbegriindete Eigentümlich- keit haben, dass das Blut sich wesentlich an der Basis ansammelt, während nur eine dünne Schicht den Gewölbtheil deckt. Ebenso verbreitet sich die Blutung aus den Gefässen der Pia in dem Pia-mater-Raum, so dass die Haupt- masse des Blutes sich zwischen den Windungen und besonders in den Sinus subarachnoidal, anhäuft und somit die Spannung des Liq. cerebrospinal, ver- mehren hilft. Diese Blutungen können also wohl die Gefahren des Drucks herbeiführen oder sich zu den anderen Ursachen hinzugesellen, aber sie be- gründen weder ein klinisches Bild, noch fordern sie eine dem entsprechende speciell therapeutische Besprechung. In letzterer Richtung sind es nur die Blutungen zwischen Dura und Schädelkapsel, welche uns hier vorwiegend beschäftigen müssen. Die Ge- fässe, durch welche in dem gedachten Raum Blutungen bedingt werden können, sind die Sinus der Dura und die Art. meningea media. Die Verletzungen der Sinus, welche wir am betreffenden Ort (§ 14) be- reits besprochen haben, können, falls sie sich als Rupturen der seitlicher Wandung darstellen, zur Ablösung der Dura führen. Solche Blutungen sind aus dem Transversus und Longitudinalis beobachtet worden, aber selten ist die Energie des Blutstroms eine so erhebliche, dass schwere Erscheinungen, wie Gehirndruck, darnach auftreten. Wohl aber ist die Ablösung der Dura durch Blutung aus dem zerrissenen Stamm oder einem der Aeste der Meningea media mit dem typischen Bilde von Symptomen ein nicht seltenes Ereigniss. Somit werden wir uns auch wesentlich an die von einer Blutung der Meningea media gemachten Erscheinungen halten. § 44. Die Meningea media kommt als stärkster Ast der Maxillaris interna durch das Foramen spinosum in die mittlere Schädelgrube. Sie ver- läuft von zwei Venen begleitet am Boden derselben, am grossen Keilbeinflüge] aufwärtssteigend, nach vorn und giebt, ehe sie sich von hier auf den vorderen Winkel des Seitenwandbeines fortsetzt, um in der Gefässfurche dieses Knochens sich weiter zu theilen, den Ramus posterior ab, welcher bogenförmig gekrümmt, in horizontaler Richtung über die Basis der Schläfenbeinpyramide nach dem unteren hinteren Winkel des Os parietale verläuft, um in der Occipitalgegend auszustrahlen. Der vordere Ast wendet sich im Bogen und neben der lateralen Spitze des kleinen Keilbeinflügels vorwärts, um sich unter dem Stirnbein und](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28119824_0001_0098.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


