Volume 1
Lehrbuch der Physiologie : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / begründet von Rud. Wagner ; fortgeführt von Otto Funke ; neu herausgegben von A. Gruenhagen.
- Date:
- 1885-1887
Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der Physiologie : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / begründet von Rud. Wagner ; fortgeführt von Otto Funke ; neu herausgegben von A. Gruenhagen. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
29/704 page 15
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![Bläschen, zusammengesetzt aus Hülle, Inhalt u'ncl Kern, oder als räumlich begrenztes Klümpchen lebender Materie o)me Hülle und selbst ohne Kern. Hiernach wird es begreiHich, weshalb man auch bei dem jetzigen Stand unsrer weiter vorgerückten Erkenntnis von farbigen Blutzellen sprechen darf, ungeachtet des Nachweises, dafs dieselben nicht Bläschen, sondern solide Gebilde sind, bestehend aus einer farblosen porösen ürundsubstanz, dem sogenannten „Stroma, und der in letzterem eingebetteten Farbstoffmasse. Ein Kern ist in den roten Blutzellen der Menschen und Säugetiere nicht nachzuweisen. Der helle zentrale Fleck, welchen man bei der Flächenansicht in ihnen wahrnimmt, ist lediglich der optische Ausdruck ihrer (s. o.) bikonkaven Linsenform. Die Gründe, welche für. die Klümpchen- und damit gegen die Bläschen- uatur der farbigen Blutzellen sprechen, kommen im allgemeinen darauf hin- aus, dafs es gelingt durch verschiedene, teils physikalische, teils chemische Agenzien einen Zerfall derselben herbeizuführen, durch welchen die einzelneu Blutzellen in kleinste Farbstoffpartikel von gleichartiger Beschaffenheit und gleichem Verhalten, wie die ursprünglichen, unversehrten Zellen zerspalten werden. In der angegebeneu Weise wirkt vor allem die Erwärmung des Blutes (Beale, M. Schultze^). Bringt man einen Blutstropfen auf einen heiz- baren Objekt-Tisch und erwärmt ihn bis auf Körpertemperatur und etwas darüber (38—45 C), so bleiben die in ihm enthaltenen farbigen Zellen' unver- ändert; das von Klebs behauptete und als lebendige Kontraktionserscheinung- gedeutete Zackigwerden bei dieser Temperatur tritt nicht ein. Bei 52 C. da- gegen beginnt eine eigentümliche Schmelzung der Blutzellen. Sie bekommen zunächst am Eande Einschnürungen, welche tiefer und tiefer werden. Es schnüren sich kugelige Pai'tien ab, welche mit den zentralen Reste anfangs noch durch Fäden zusammenhängen, dann sich ablösen, so dafs jede Zelle in eine verschiedene Anzahl rotgefärbter, kugeliger Stücke von sehr verschiedener Gröfse zerfällt. Unter ihnen pflegt der kugelige Rest des Zentrums den relativ bedeutendsten Umfang zu besitzen. Mitunter spielt sich der beschriebene Vor- gang in etwas abweichender Form ab. Die fg,rbigen Zellen treiben alsdann einen oder mehrere, längere, cylindrische Fortsätze,, welche sich perlschnurartig einschnüren und in Kugeln zerfallen. Alle diese Veränderungen treten jedoch nur an gut erhaltenen bikonkaven Blutzellen auf. Sind dieselben, wie dies längere Zeit nach der Entleerung aus der Ader von selbst zu geschehen pflegt, kugelig geworden, so bleiben sie bei 52 G. unverändert. Steigert man die Temperatur von 52 auf 60 C., so lösen sich die kugeligen Trümmer der Zellen auf, d. h. sie geben ihren Farbstoff an die umgebende Flüssigkeit'ab, während die entfärbten Stroma-Reste sich dem Blicke entziehen. In ganz analoger Weise, wie die Wärme, bringen konzentrierte Lösungen von Harnstoff einen Zerfall''' der farbigen Blutzellen hervor. Auch in ihnen beobachtet man, wenn sie frischem Blute unter dem Mikroskope hinzugesetzt werden, Fortsatzbildungon der Zelloberflächc, perlschnurartigen Zerfall der- selben, schliefslich gleichmäfsige Verteilung des Fai-bstoffs in dem umspü- lenden Medium. Hierher gehören ferner die Folgeerscheinungen mechanischer Mifshandlungen der farbigen Blntzellen, Ihre grofse, bei-eits erwähnte Nach- giebigkeit gegen Druck und Zcn-ung bewirkt zunächst, dafs sie unter den ge- dachten Verhältnissen Formveränderungen der mannigfaltigsten Art eingehen, sich breit drücken, zu langen Cylindern ausziehen oder falten lassen, um nach Wegfall der pressenden Einflüsse ihre ursprüngliche Gestalt wieder anzunehmen. Bei gewissen Graden der mechanischen Mifshandlung zerreifscn die Blutzellen jedoch, ohne dafs dabei das Bersten einer Membran und AusHicfsen des In- halts wahrzunehmen wäre (Beälk). Oft sieht man jede der gebildeten Hälften ' M. Smiiui.tzk n. 0. 0. — Beale, Quurl. Journal of microKop. .icimce. 18GI. Nr. Vi. '■' KOKLLIKHll, nunUhuch flKr (JeMebelehre. 5. Aufl. ]). 023. — A. SCHMIDT u. SOUWEIG(iEll- 8BIDEL, Her. ,1. k: .««c/m. 'Inn. ,t. Wiü.i. Math. phys. Cl. 18G7. p. 190. ' Beale, quurt. Jmrnal o/ micntncopicul .icience. 1861. p. 240.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925744_0001_0029.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)