Volume 1
Lehrbuch der Physiologie : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / begründet von Rud. Wagner ; fortgeführt von Otto Funke ; neu herausgegben von A. Gruenhagen.
- Date:
- 1885-1887
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Credit: Lehrbuch der Physiologie : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / begründet von Rud. Wagner ; fortgeführt von Otto Funke ; neu herausgegben von A. Gruenhagen. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![nach dem Tode oder während des Lebens, sei es durch Ver- letzungen, seien es pathologische Veränderungen, eingebülst haben, [n dem entleerten Blute kann die Gerinnung durch eine Anzahl \'erschiedeuartiger äufserer Einwirkungen beschleunigt oder verzögert, selbst gänzlich aufgehoben werden. Nach C. H. Vierordt braucht der eigentümliche Vorgang zu seinem Ablauf in der Norm durch- schnittlich 9,28—10 Minuten für das arterielle, eine ca. 7 Minuten kürzere Zeit für das A'enöse Blut. ^ Vou wesentlichem Einflüsse ist die Temperatui'. Niedrige Tempei'a- tiireu verzögei'n, höhere (nameutUch diejenigen von 37—38'^ C.) beschleunigen die Gerinnung. Dieselbe kann nach Beobachtungen von J. Davy- bei 0 Temperatur länger als eine Stunde hintangehalten werden. Hierdurch ist ein Mittel geboten sich reines Blutplasma zu verschaffen, wenn man in solchem durch Eiskälte flüssig erhaltenen Blute die Senkung der Blutzellen abwartet. Fixe Alkalien und Ammoniak, selbst in üurserst geringen Mengen dem Blute zugesetzt, verzögern oder hindern gänzlich die Ausscheidung des Fibrins. Entfernung des Ammoniaks, Neuti'alisation der fixen Alkalien leiten die Ge- rinnung sofort ein. Wie Alkalien wirken auch kleine Quantitäten Säureia; Essigsäure, nur bis zum Auftreten der sauren Eeaktiou zugesetzt, hebt die Gerinnung völlig auf. Auch Kohlensäure, in grofsen Mengen dem Blute zugeführt, verzögert dieselbe; aus dieser Wirkung der Kohlensäure erklärt man die langsame Gerinnung des Erstickungsblutes und des venösen dem arteriellen gegenüber. Hemmend oder aufhebend wirkt auf den Koagulationsvor- gang ferner der Zusatz neutraler Alkalisalze (Chloralkalien, schwefelsaure, phosphorsaure, borsaure, salpetersaure, kohlensaure Alkalien) zum Blute. Ver- dünnung mit Wasser genügt, um ihren Einflufs zu beseitigen. Ganz ähnlich verhält sich reines Glycerin im Überschusse dem Blute beigemeiigt. Sehr bemerkenswert ist endlich die gerinnungshemmende Wirkung der Peptone, d. h. von Eiweifssubstanzen, welche der Einwirkung des Magenferments unter- worfen gewesen sind, wenn dieselben in die Gefälse des lebenden Tieres ein- gespritzt werden.* Das bald nach solchen Injektionen entleerte Blut koaguliert nicht, sondern bleibt flüssig. Allerdings gilt diese Erfahrung nur für Hunde- blut, nicht für Blut andrer Tierarten. Nach Fano'^, dem wir eingehende Untersuchungen über diesen interessanten Vorgang verdanken, hält der be- sprochene Einflufs der Peptoninjektionen einige Stunden vor. Damit derselbe gut ausgeprägt sei, müssen pro kg Körpergewicht 0,3 g Pepton in (),57o Kochsalzlösung aufgelöst einverleibt werden. Gewisse Todesursachen scheinen die Fähigkeit zur Fibrinbildung im Blute zu vernichten. So fand Orkila^ das Leichenblut flüssig bei Vergiftungen mit Pilzen, Blausäure und Schwefelwasserstoff. Auch das Blut vom Blitze Erschlagener hat man frei von allem Coagulum gesehen. Ausreichende Erklärungen liegen für alle diese ' HkwSON, An ex/m: inqiiir. inlo llie projjert. of llic tdoud. London 177'2. — TllACKUAH An. rnrptir. on l/,e nut. und prop. of Ihn binod. London 1819 ii. 1H34. — SCHllOEUKIl VAN DUR kÖlk Coiwn. dp. san^. coa;,ul. Grön. 1820. — NASSE, Unlers. l'/ii/.i. u. Palh. Bd. l. p. 71. - Art Blut in U. WA0NBR8 ridwllj. d. P/ii/s. Bd. L p. 102, — PANUM, On Fihrinuni etc. Kopcnh. 1851. — ZIMMERMANN, . rcA./. ph;i». neilk. ]8'17. Bd. VI. p. 53; MOLESCIIOTTs Unten, z. Naturt. 1857. Bd I p 1.33 Bd. U. p. 2m- Zhchr.f. rat. Med. 3. K. 1800. Bd. VIII. p. 304. - Bruecice, Tlwhrit. and foreiqn med. Chr. remew. 1857. Nr. 37. p. 183; Archiv/. pathol. Anal. 1857. Bd. XU. p.81. - RrCHARDSON, The came nf the coaniil. of the hlmd. London 1858; /Mehr. f. rat. Med. 3. lt. 1859. Bd. V p 91 — ViRCHOW 18fii n 'r^f laro ''■■'if''' I - A. SCHMIIIT, Arch. f. Anat. u. Ph,,»ol. l»bl p. J45, 181,2 p. 428; Ilamaoloq. Studien. Dorpnt 18(15. p.25; PfluuOERs Arch. 1872. Bd. VI. p.413. -- 0. H. Vierordt, Arch. d. lleilk. 1878. Bd. XIX. p. 198. J. DAvy, Proceed. of the Hoi/al Societi/ of Edlnburr/h. Bd. VI. p. 157. ■ GkiJenhaöKN, ZiKhr. f. rat. Med. 3.11. 1869. Bd. XXXVI. p. 239. * Schmidt-Mülheim, Arch. f. Phmioi. 1880. p. 33. Fano, Arch. f. Phiisinl. 1881. p. 277. ' Orfila, Tmild de» poinon.t. 1827. T.II. p. 447. 482.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925744_0001_0053.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)