Volume 1
Lehrbuch der Physiologie : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / begründet von Rud. Wagner ; fortgeführt von Otto Funke ; neu herausgegben von A. Gruenhagen.
- Date:
- 1885-1887
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Credit: Lehrbuch der Physiologie : für akademische Vorlesungen und zum Selbstudium / begründet von Rud. Wagner ; fortgeführt von Otto Funke ; neu herausgegben von A. Gruenhagen. Source: Wellcome Collection.
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![§72, J\[uskel M trägt an seinem untern Ende mittels eines komplizierten Zwischen- stücks, welches hier durch den Rahmen G angedeutet ist, eine Wagschale, durch deren Belastung er in gespanntem Zustande erhalten wird. Sowie er nun, in- folge der Erregung seines Nerven in Thätigkeit versetzt, sich verkürzt, hebt er die mit der Oberfläche des Quecksilbers im Näpfchen F in Berührung befindliche Metallspitze von dieser Oberfläche ab; dadurch wird aber, wie die Figur lehrt, der zeitmessende Strom unterbrochen. Aus der mit , dem Fernrohr abgelesenen Gröfse des-Schwingungsbogens des Magnets in E erfahren wir nun, welche Zeit verflossen ist zwischen dem Beginne der Nervenerregung in a und dem Beginne der Muskelverkürzung. Ein Teil dieser Zeit entspricht offenbar der Dauer des Leitungsvorgangs .zwischen a und ö, welche ermittelt werden soll, ein andrer aber wird in der jenseits b befindlichen, intramuskulären Nervenstrecke verbraucht, ein dritter vergeht zweifellos zwischen der Ankunft des zuckungerregenden Vorgangs in den äufsersten Nervenenden und dem Beginne der Muskelverkürzung; man be- zeichnet diesen letzten Zeitraum als das Stadium der latenten Reizung. Um nun zu erfahren, wie grofs der erste Zeitraum ist, wiederholen wir den Ver- such, legen jedoch die Elektroden der Induktionsrolle Q nicht wie vorher in a, sondern in b dem Nerven an. Die Zeit, welche jetzt zwischen Reizung und Verkürzung verfliefst, kommt ausschliefslich auf Rechnung der Leitungsdauer in dem Muskelende des Nerven und der latenten Reizung; wir brauchen die im zweiten Versuche gefundene Zeitgröfse nur von der im ersten Versuche enthaltenen abzuziehen, um die Zeit zu erhalten, deren der zuckung- erregende Vorgang zu seiner Fortpflanzung durch die Nerven- strecke a b bedarf. Hei.mholtz hat die Geschwindigkeit der Nervenleitung noch auf eine zweite Weise mit Hilfe des sogenannten „Myographions gemessen, eines Appai-ats, dessen verschiedene, zum Teil sehr komplizierte Formen in den unten verzeichneten Abhandlungen und Werken' eingesehen werden können. Dem Prinzipe nach unterscheidet sich die Methode von der fi-üher geschilderten nicht, nur das Zeichen,.welches den Beginn der Muskelzuckung verkündet, ist ein andres geworden. Die mechanische Kraft der Muskelkontraktion wird jetzt nicht mehr zur Öffnung eines im Momente der Nervenreizung geschlossenen, elektrischen Stromes verwendet, sondern auf einen Hebel übertragen, welcher, einer bei-ufsten Glasplatte leicht anliegend, seine Bewegung unmittelbar auf- schreibt und eine gerade, vertikale Linie verzeichnet, vorausgesetzt, dafs jene Glasplatte ihre Lage unverändert beibehält. Bewegt man dieselbe aber an dem Zeichenende des Hebels mit gleichmäfsiger Geschwindigkeit vorbei oder läfst man an demselben die Oberfläche eines Cylinders, welcher mit gleichmäfsiger Geschwindigkeit um seine vertikale Achse gedreht wird, vorbeirotieren, so dafs der Schreibestift bei ruhendem Muskel eine horizontale Linie angeben müfste, so wird der zuckende Muskel durch den Stift eine Kurve zeichnen, deren vertikale Koordinaten den Verkürzungsgröfsen des Muskels in den verschiedeneu Momenten der Kontraktionsdauer, deren horizontale der Zeit proportional sind. Kennt man die Geschwindigkeit, mit welcher die Fläche bewegt wird, so kann man leicht den absoluten Wert eines beliebigen Stückes der horizon- talen Abscisse berechnen. Zum Versuche dient wiederum der mit dem Ischiadicus in Verbindung gebliebene Wadenmuskel des Frosches. Denken wir uns nun die Fläche in dem Moment in Bewegung gesetzt, in welchem ein momentaner elektrischer Reiz das obere Ende des Nerven trifft, so wird der Stift eine Linie zeichnen, deren Anfang eine gewisse Strecke weit horizontal verläuft, welche erst von dem Moment an sich erhebt, wo der zuckungerregende Vorgang, in den Muskelenden angelangt, den Anfang der Verkürzung erzeugt, ' HBLHHOLTZ u. V. BEZODD, n. a. 0. — A. FiCK, Vierteljclimsclir. rf. natvrforsch. Ge-i. in Zürich. 18f)2, u. Medicinische Phynik. 2. And. Hrannscliwclt,' 186ß. ]). 81 ii. fß. — WimUT, Unten, zur \Mianik il. Nerven u. Nerui-ncrnlren. l. Abtli. Krliiiit,'eii 1871. — E. DU noiS-IlEYMOND, rmigndortfx Annut. (l. Phijaile. 1873. Juhclbnnd. p. ÖUO. — .7. IlOSKNTUAL, Arch. f. Phi/.iiol. 1883. Suiiplmtbd.'p. 240.'—](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925744_0001_0677.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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