Lehrbuch der allgemeinen Kriegs-Chirurgie / von H. Fischer.
- Fischer, Hermann Eberhard, 1831-1919.
- Date:
- 1868
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen Kriegs-Chirurgie / von H. Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![seitwärts vom Feinde stand, einen Schuss: die Kugel zerschmetterte den rechten Vorderarm vollständig, zerbrach das rechte Hüftbein und brachte gleichzeitig eine grössere 5 lange und 3'' breite Wunde in der Regio iliaca hervor. Die Bauchwand sammt dem Peritoneo war in der erwähnten Ausdehnung zerstört und eine Darmschlinge blossgelegt. — Beim Ersteigen der Höhen von Alma traf eine Kugel den linken Oberschenkel eines Sol- daten 3 über der Patella, und drang in die Tiefe zwischen den Muskeln nach oben, hierauf ging sie um das Glied herum, durchbohrte die Mus- keln der linken Hüfte, ging in der Tiefe über das Peritoneum weg, durch- bohrte das Rectum und trat an der rechten Hüfte wieder heraus. Aehn- liche Beobachtungen habe ich öfter gemacht und werde später darauf zurückkommen. — c. Bei dem schnellen Feuern und der Treffsicher- heit der Waffen ist es in den modernen Kriegen keine Seltenheit mehr gewesen, dass ein Blessirter von mehreren Projectilen getrof- fen wurde. Demme extrahirte in Italien drei Projectile aus den ver- schiedenen Körpertheilen eines Verwundeten. Im zweiten schleswig- holstein'schen Krieg zeigte ein Blessirter folgende Verletzungen: Schuss durch den linken Unterkiefer, — Schuss durch die rechte Schulter mit Streifung des rechten Schlüsselbeines — Haarseilschuss an der lin- ken Schulter — Haarseilschuss durch die Bauchdecken links — Haar- seilschuss an der linken Hüfte — Fingerzerschmetterungen der rechten Hand. Im letzten böhmischen Feldzuge gelangte ein Ungar in meine Behandlung, welcher im Ganzen fünf Schussverletzungen hatte. Auch bei den Verletzungen durch blanke Waffen beobachtete man selten nur eine Wunde, man hat, wie wir sehen werden, 12 — 15 Säbelhiebe an einem Verwundeten gefunden. Auch Schuss- und Hiebwunden findet man an einem Verletzten; eine Thatsache, welche die Rohheit des Kriegerhand- werkes bis in unsere aufgeklärten Tage hinein in das hellste Licht stellt. — d. Da eine keilförmige Spitze sich leichter einen Weg durch alle Widerstände bohrt, als eine runde Kugel, so sind die sog. Contour- Schüsse weit seltener und die perforirenden Höhlenwunden durch Projectile erstaunlich häufig geworden. Unter 7062 Schuss- wunden der Brust, welche das Circ. Nr. 6 zusammenstellt, waren 2303 perforirend (mit einer Sterblichkeit von 73/o), also unter 3 fast eine, unter 2707 Schusswunden am Unterleibe perforirten 543 (mit einer Sterb- lichkeit von 74<'/o), also unter 5 eine, unter 5046 Kopfwunden perforirten 1104, also unter 4 fast eine. Daraus ergiebt sich eine furchtbare Sterb- lichkeit nach Verletzungen an diesen Regionen in den modernen Kriegen: nach Löffler's Zusammenstellung starben von den in Schleswig an der Brust verletzten Preussen 40,8/o, von den Dänen 67,2*'/o, von den am Unterleibe verletzten Preussen 57,2''/o, von den Dänen 64,0*'/o. Ziemlich ähnhch war die Sterblichkeit der englischen Soldaten im Krimfeldzuge nach derartigen Verletzungen (Macleod).— Ebenso verhält es sich an den Gelenken. Die perforirenden Schusswunden haben an denselben enorm zugenommen und Contourirungen gehören zu den Seltenheiten.— d. Die Zahl der Schussfracturen hat sich in den modernen Kriegen furchtbar vermehrt. Macleod fand unter 8809 Verwundeten in der Krim 997 (also ll,31/(,) mit Schussfracturen. Darunter waren Zerschmet- terungen des Femur vom Trochanter bis zum Kniegelenk. Das Circular Nr. 6 bringt auf 87,822 Verletzungen im amerikanischen Kriege ] 2,685 Schussfracturen, also auf 6 Verletzungen eine Schussfractur. Unter 1904 Verletzten nach der Schlacht bei Chickamanga fand Moses 691 Schuss- fracturen, also auf kaum 3 Verletzungen eine Schussfractur. — Darunter nehmen die Schussfracturen am Oberschenkel eine hervorragende Stelle](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21052128_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)