Volume 1
Die Morphologie der Missbildungen des Menschen und der Tiere.
- Ernst Schwalbe
- Date:
- 1906-60
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Credit: Die Morphologie der Missbildungen des Menschen und der Tiere. Source: Wellcome Collection.
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![hier natürlich ganz von den Fällen ab, in denen ein Karzinom oder Sarkom in einem Teratom entsteht, dieser Fall ist zunächt der Analyse weniger zugänglich, wir haben vielmehr die Fälle im Auge, daß ein Teratom als solches metastasiert. ^] Das kann unter Umständen bei verhältnismäßig vorgerücktem Alter des Trägers der Fall sein. Hier ist also nur eine der ersten beiden Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Entweder hatten die durch Entwicklungsstörung isolierten Zellen des Teratoms die prospektive Bedeutung, nach gewisser Zeit maligne zu wachsen, oder sie hatten wohl die Potenz, diese wurde aber erst durch irgend welche Einflüsse aktiviert. Die dritte Möglichkeit, daß aus vorher normalen Zellen in völlig normalem Verband durch irgend welche Ein- flüsse der maligne Tumor hervorgeht, ist natürlich für das Teratom nicht anzunehmen. Für welche der beiden ersten Möglichkeiten man sich entscheiden will, ist Ansichtssache, da gibt es keine Versuche, welche in der einen oder anderen Richtung drängen. Jedenfalls aber zeigt das Beispiel der Teratome, daß die von Beneke, Borst und mir erwogene Möglichkeit einer angeborenen prospektiven Bedeutung der Zellen zur malignen Geschwulstentwicklung sich nicht so ohne weiteres abweisen läßt. Selbstverständhch braucht das, was für die Teratome gilt, durch- aus nicht für alle Tumoren zu gelten, ich selbst habe mich sehr deutlich gegen eine vorzeitige Verallgemeinerung ausgesprochen, die der Forschung sicher nicht nützlich wäre. — Das maligne Wachstum der Teratome könnte nun in ähnlicher Weise durch physikalisch-chemische Einflüsse ausgelöst werden wie die LoEBSche künstliche Parthenogenese, das ent- • spräche der zweiten von uns aufgestellten Möglichkeit. An diesen Hinweis auf die Malignität der Teratome schließt sich eine weitere Frage. Man hat mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß ein Teil der hier behandelten Geschwülste die verschiedenen Ge- webe in ausgebildeter, dem Alter des Trägers entsprechender Form enthalten. So wachsen die Haare der Dermoidzysten offenbar mit dem Träger, man findet in den Dermoidzysten ausgebildete Haut, Haare, Knochen, kein embryonales Gewebe. Im Gegensatz hierzu finden sich in anderen Teratomen die Gewebe auf einer embryonalen Stufe. Diese sind vorwiegend die malignen Formen, Askanazy hat den Dermoidzysten die embryonalen Teratome ziemlich scharf gegenüber gestellt. Ich halte diese Scheidung zweier Typen für didaktisch sehr richtig, glaube aber nicht, daß wir einen so scharfen Gegensatz formulieren dürfen. Die embryonalen Teratome AsKAXAZYS^) kommen „bis auf einen Fall (achtjähriges Mädchen) nur in der Zeit zwischen dem 15. und 40. Lebensjahre vor, die Dermoid- cysten in jedem Lebensalter. Zieht man aber nicht nur die Ovarial- teratome, sondern auch die entsprechenden Teratome anderer Organe oder Körperteile in Betracht, so läßt sich dieser von Askanazy formu- lierte Gegensatz nicht aufrecht erhalten. Rasch wachsende Teratome kommen vielmehr im Kindesalter gerade so gut vor, wie in der von AsKANAZY angegebenen Lebenszeit, ja manche Teratome wachsen un- mittelbar nach der Geburt sehr rasch. Freilich muß zugegeben werden, Geschwul st lehre klar festhalten müssen, und daß es einer Erklärung des ,,maligne Werdens von Geschwülsten durchaus bedarf. Bezüglich der Begriffsbestimmung der Malignität schließe ich mich im wesentlichen Hansemann an. Zu längeren Auseinandersetziingen ist hier nicht der Ort. (Vgl. Lubaesch, Ergebn., X., p. 663.) 1) Vgl. ASKANAZY 1. c. p. 93. 2) Vgl. 1. c. p. 95.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21506899_0001_0658.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


