Die Verletzungen des Auges : ein Handbuch für den Praktiker / von E. Praun.
- Praun, E.
- Date:
- 1899
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Credit: Die Verletzungen des Auges : ein Handbuch für den Praktiker / von E. Praun. Source: Wellcome Collection.
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![Wunden : Wunden des Augapfels sind nnch unserer Einteilung immer direkte Verletzungen, weil wir als indirekte Läsionen des Auges diejenigen bezeichnen, bei welchen nicht der Augapfel selbst, sondern das Knochenskelett eine Erschütterung erleidet. Unmittelbare Verletzungen liegen vor, wenn das Geschoss selbst den Augapfel verwundet, mittelbare, w^enn die durch das Projektil getriebenen Fremdkörper, also Knochensplitter, Stein-, Sand-, Holzteile u. s. w. die Verletzung bewirken. Natur- gemäss wird der vordere Abschnitt des Augapfels, soweit er in der Lidspalte frei zu Tage liegt, unmittelbar, d. h. durch das Geschoss selbst am häufigsten verletzt; hingegen wird der durch die Orbita gedeckte Abschnitt des Bulbus mittelbar durch die Knochensplitter betroffen. Die durcli das Geschoss in Bewegung gesetzten Fremd- körper treffen am häufigsten die Lider oder den Augapfel in der Lidspalte. Wir bezeichnen diese Verletzungen nach der Art derselben als mittelbare Verletzungen zum Unterschiede von den durch das Geschoss gesetzten unmittelbaren. Nach dem Wege, den sie zurücklegen, wären sie dann, wenn sie das Auge in der Lidspalte treffen, als unmittelbare Verletzungen zu bezeichnen, da sie das Auge in erster Linie, nicht durch die Or])ita oder die Lider hindurch treffen. Es ist häufig recht schwer festzustellen, ob mittelbare oder unmittelbare Verletzung vorliegt, zumal bei den Schläfenschüssen, wo man wohl in den meisten eine mechanische Wirkung, d. h. Zertrünnnerung des Augapfels sowohl durch das Geschoss, als durch die mitgerissenen Knochensplitter annehmen wird. Am leichtesten ist die Feststellung noch bei Splitter- schüssen der Orbitalränder, weil man hier kontrollieren kann, ob ein Knochensplitter nach der Tiefe zu befördert worden ist. Trifft man die Unterscheidung nach dem Wege, den die Projektile zurücklegen, so treffen die meisten das Auge mittelbar, d. h. sie dringen durcli die Orbita oder die Lider hindurch in den Augapfel ein, während ein kleiner Teil den Augapfel in der Lidspalte unmittelbar trifft. Der Grad der Verwundung des Auges ist abhängig von der Art und Pro- pulsionskraft des Geschosses und dem Winkel, in welchem dieses die Bulbusober- fläche trifft. Wir können hier unterscheiden oberflächliche, nicht durchbohrende Prell-, Streif- und Konturschüsse, dann durchbohrende Schüsse als Streif- und Voll- schüsse, durch Schrote und insbesondere durch Kugeln hervorgebracht, wodurch un- regelmässige Quetsch- und Risswunden des Augapfels entstehen, welche mit totaler Zertrümmerung, manchmal mit völliger Herausreissung des Augapfels aus der Augen- höhle endigen. Streifschüsse und Konturschüsse treffen den Bulbus tangential, Vollschüsse senkrecht zur Kugeloberfläche. Prellschüsse sind vorwiegend senkrecht, aber auch tangential auf den Bulbus gerichtet. Auch in den Fällen scheinbar oberflächlicher Verletzung liegen häufig infolge der heftigen Quetschung schwere Veränderungen im Bulbusinneren vor, sodass die Verletzung trotzdem keine leichte ist. Nichter öffnen de Schüsse: Schrote und Kugeln treffen als Prellschüsse das Auge, wenn sie bereits ermatten, und springen mit Hinterlassung einer nicht durchbohrenden Wunde und einer mehr oder weniger hochgradigen Quetschung wieder ab. Kugeln, und noch häufiger Schrote, können Streifschüsse verursachen, ohne die Kapsel zu zerreissen; meist verläuft die Schussrichtung tangential zur Gesichts- und Augenoberfläche und die Verletzung geht mit ausgiebiger Verletzung der Lider und des Gesichtes einher. Seltener wird der Augapfel von Schroten, manchmal auch von ermattenden Kugeln völlig umkreist, wobei das Geschoss entweder nur Furchen in die Oberfläche, namentlich die Bindehaut und Sklera zieht, oder eine](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21286279_0042.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


