Die Verletzungen des Auges : ein Handbuch für den Praktiker / von E. Praun.
- Praun, E.
- Date:
- 1899
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Verletzungen des Auges : ein Handbuch für den Praktiker / von E. Praun. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by UCL Library Services. The original may be consulted at UCL (University College London)
504/564 page 476
![hei Schläfenscliüsseii auf der eiiie]i Seite schwere Veräiideruiigeii des Augapfels, auf der anderen nur noch mein- oberflächliche, weiui der Schuss nacli vorne eine mehr oberflächliche Richtung erhält. Ausnahmsweise können alle vier Orbitalwände durchsetzt werden, wie in einem Falle von v. Dettingen (1), ohne dass Sehnerv oder Bulbus beteiligt sind. Bei Streifschüssen schhesslich können nur die äussersten und vordersten Teile der Schläfenseite von hinten oder von vorne her durchschossen werden, ohne dass Bulbus und Sehnerv leiden. Die Schläfenschüsse im Kriege liaben eine sehr traurige Vorhersage, da liäufig beide Augen direkt oder indirekt der Verletzung zum Opfer fallen. Kasuistik. Die Anzahl der Veröffentlichungen über Schläfenschüsse mit Verletzung von Bulbus und Sehnerv ist überaus zahlreich. Beispiele von Schläfenschüssen mit Verletzung des Bulbus finden sich u. a. im S. B., bei v. Oettingen (1), Hirschberg (2), Cohn (3), Hasner (4), W ei nie ebner (5), Mandelsta mm (6), Moses (7), Delacroix (8), Scheide- )nann (9j, Gottberg (10), dessen erster Fall als Beisi^iel Erwähnung linden soll. Ein 24jähriger Mann schoss sieh mit einem Revolver in die linke Scliläfe. Etwa 5 cm nach aussen vom Lid- winkel war die Einsehussöffnung. Die Kugel drang durch beide Augenhöhlen und trat im äusseren Teile des rechten oberen Lides aus. Das rechte Auge war total zerfetzt, im linken Auge bestand Amaurose und etwas Exophthalmus. Die vordere Kammer war eng, die Pupille über mittehveit und vollkommen starr, der Bulbus wenig beweglich. Die Augenspiegelunter- suchung ergab: Glaskörper rein, im Augenhintergrund eine grosse Blutung, welche fast die ganze Mitte des hinteren Bulbusabschnittes einnahm. Nachdem die Blutungen allmählich aufgesaugt Avaren, sah man eine grosse weisse Fläche, welciie die ganze Mitte des Augenhintergrundes ein- nahm. Diese weisse Fläche hatte einen Durclimesser von 10 P. D. und war von Pigmentanhäufung begrenzt; von der Eintrittsstelle des Sehnerven war nichts zu erkennen. Doppelseitige Sehnervenverletzung findet sich u a. in dem bekannten Falle Heister (11), Avo die 4 Orbitalwände und beide Sehnerven zertrümmert wurden, während die Augäpfel intakt blieben, auch im S. B, und im amerikanischen Secessionskriege; häufig ist eine einseitige Seh- nervenverletzung mit Bulbusverletzung der anderen Seite. Beispiele dieser Art finden sich ausser bei V. Oettingen (1) und im S. R. bei Jodko (12), Gill (13), Benson (14), Karafiath und Gengnagel, in welchen beiden Fällen, wie bereits oben erAvähnt, die gefässführenden Teile des Sehnerven betroffen wurden, ferner bei Emmert (15), Hirschberg (2), Bauer (16) und Gottberg (10), von dem einige Beispiele augeführt werden mögen. 28 j. Mann schoss sich in die rechte Schläfe. Schussöffnung etwa 3,5 cm rechts nach aussen oben vom oberen Orbitalrande, Patient war sofort bewusstlos und blieb es zwei Tage lang. Ptosis des rechten oberen Augenlides, geringe Vortreibung des Augapfels. Die Pupille ist beiderseits weit und starr. Patient ist völlig blind. Augenspiegelbefund ist negativ. All- mählich stellen sich Bewegungsbeschränkungen der Augäpfel ein, die gar nicht mehr abduziert werden können, und schliesslich beiderseitige Sehnervenatrophie. — In einem anderen Falle schoss sich ein Mann mit einem Ptcvolver in die rechte Schläfe. Die Kugel drang durch die rechte Orbita und den linken Bulbus, so dass dieser total zerquetscht wurde. Rechts besteht hoch- gradiger Exophthalmus, Blutunterlaufungen des Augapfels, starre Pupille. Patient ist blind, Beweglichkeit des rechten Bulbus seitlich unmöglich; Netzhautblutungen. Es wird angenommen, dass der rechte Sehnerv durchbohrt wurde. d) Schussverletzuiigen der inneren Wand. Auch von iimen her kann der Schuss durch die Nasenwurzel oder Nasen- höhle in die Orbita und den Augapfel eindringen. Es sind dann Streifschüsse, welche auf der einen Seite tangential und oberflächlich auf das Gesicht auftreffen und sich auf der anderen mehr in die Tiefe verlieren, oder Schüsse, welche an der Nasenwau'zel der einen Seite eintreten, diese durchsetzen und den hinteren Teil der iVugehöhlen der anderen Seite, sowie den Bulbus oder den Sehnerven treffen. Der Schuss kann auch von der einen Seite durch das Gesichtsskelett eintreten und dann die Orbita en-eichen, wie er den umgekehrten Weg durch die Orbita und das Gesiclits- skclett zurücklegen kann. Dabei ist auch die untere Wand zerstört.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21286279_0504.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


