Die Verletzungen des Auges : ein Handbuch für den Praktiker / von E. Praun.
- Praun, E.
- Date:
- 1899
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Credit: Die Verletzungen des Auges : ein Handbuch für den Praktiker / von E. Praun. Source: Wellcome Collection.
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![c) Cerebrale Lähmung des Trochlearis. Barabaschew (58): Patientin glitt aus, fiel auf den Rücken und schlug mit dem Kopfe auf den Boden. Sie konnte sich wieder erheben, war etwas schwindlig und fiel ein zweites Mal. Es fehlten alle Symptome der Gehirnerschütterung, doch bemerkte die Patientin schon nach 20 Minuten Doppeltsehen. Es bestandeniDoppelbilder, welche für rechtsseitige Trochlearislähmung charakteristisch waren. Simon (26) bringt folgenden Fall (12): Ein 30 jähriger Mann wurde vom Pferde geschleudert, fiel zu Boden und verlor Blut aus der Nase. Er bekam Doppelbilder, die auf Trochlearislähmung deuteten. Nach 14 Tagen waren dieselben verschwunden. Natürlich kann hier auch eine basale Lähmung vorliegen. Derselbe Autor berichtet einen weiteren Fall (13): 25 jähriger Mann fiel vom Pferde und zog sich eine Gehirnerschütterung zu, wobei er bewusstlos war. Beim l^rwachen bemerkte er ein Flimmern vor den Augen und sah Doppelbilder, die für eine Trochlearislähmung sprachen. Auch hier kann ebensogut eine basale Lähmung vorliegen. IV. Basale Lähmung des Trigemi uns. Isolierte Kontinuitätstrennung dieses Nerven an der Basis cranii ist nach Bergmann (25) durch Sektion bis jetzt noch nicht konstatiert; hingegen erwähnt er zwei Fälle von Rigler und Hirschberg, wo sie mit Sicherheit angenommen werden muss. Im ersten Falle zeigte der Patient nach Sturz vom Pferde auf die linke Kopfseite die Symptome einer Schädelbasisfraktur und KornealafFektion, dann ein halbes Jahr später vollständige Anästhesie des linken Trigeminus, sowie Geschmacks Verlust der vorderen zwei Drittel der linken Zungenhälfte. — Im Hirsch- berg sehen (63) Falle wurde ein 10 jähriger Junge durch den Huf schlag eines Pferdes im Gesichte verletzt. Es stellte sich starke Apathie und Nasenbluten ein, und in der zweiten Wociu' begann eine Ulceration der rechten Hornhaut, bei Avelcher aber die sonstigen entzündlichen Symptome, wie Thränen und Lichtscheu, fehlten. Die Untersuchung ergab vollständige Unempfindlichkeit der Hornhaut und in allen Zweigen des ersten Trigeminusastes. Die übrigen Gehirnnerven waren frei, jedoch war das Gehör etwas schlechter auf der rechten Seite. Die Hornhaut perforierte nicht, der Prozess heilte aus, und die Paralyse ging auf der ganzen Seite völlig zurück. Trigeminusparalyse kombiniert mit anderen Nervenläsionen ist hingegen nach Bergmann häufiger beobachtet worden. So sah eine solche Hulke (64) in einem Falle, wo nach Sturz auf den Kopf Blutung aus dem Ohre und seröser Ohrenausfluss längere Zeit bestanden, gleichzeitig mit Protrusion und Erblindung des Auges, sowie Taubheit derselben Seite, Störungen der Sinnes- funktionen, die nach 5 Wochen noch unverändert fortbestanden. Da sich aber eine Protru.sion des rechten Auges und eine Ecchymosierung der betreffenden Lidbindehaut an\ dritten Tage nach der Verletzung entwickelten, lässt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit behaupten, dass eine Fissur durch den kleinen Keilbeinflügel vom Foramen opticum zur Fissura orbitalis superior verlief und weiter über die Wurzel des grossen Flügels dui-ch das Foramen rotundum und ovale zum Fe]sen))ein zog. Die Sensibilitätsstörungen im Gebiete des Tiigeminus führen immer zuj- neuruparalytischen Hornhautentzündung, welche nach Meissner und Schiff bedingt ist durch die Mitverletzung der im Trigeminus verlaufenden trophischen Nervenfasern und durch die Anästhesie der Horn- haut, die sich infolge dessen vor äusseren Schädlichkeiten nicht genügend schützen kann. Einen Fall progressiver traumatischer Lähmung des III. bis VII. Hirnnerven beschreibt Hauptmann (65): Durch Hufschlag gegen die linke Wange entstand zunächst Lähmung des linken Trigeminus; nach etwa 3 Monaten wurde linksseitige Abducenslähmung bemerkt, nach weiteren 3 Wochen totale Okulomotorius- und Trochlearislähmung links, nach abermals 4 Wochen linksseitige Facialislähmung. Als Ursache ist Basisfraktur anzunehmen. Die allmähliche Zu- nahme der Lähmung wird durch Kallusbildung erklärt. V. Basale Lähmung des Facialis. Die Verletzung dieses Nerven bei der Zangenentbindung haben wir bereits erwähnt. Ausser- dem kann der Facialis auch au seiner Austrittstelle, besonders durch Schuss, vei'letzt werden. Am wichtigsten ist die Lähmung des Facialis bei Basisbrüchen, wo sie zusammen mit solcher des Acusticus häufig vorkommt und zAvar meist einseitig. Bei Zcrreissung bleibt die Lähmung immer l>estehen, ))ei (^iietselning geht sie oft zurück.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21286279_0515.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


