Kritik der medicinischen Erkenntnis : eine medicin-geschichtliche Untersuchung / von Prof. Dr. Hugo Magnus.
- Hugo Magnus
- Date:
- 1904
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Credit: Kritik der medicinischen Erkenntnis : eine medicin-geschichtliche Untersuchung / von Prof. Dr. Hugo Magnus. Source: Wellcome Collection.
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![dem Höhepunkt der antiken Medizin unter Galen. • mäßigkeit der Beobachtung beobachten kann wie er will. Das klar eingesehen zu haben, ist das hohe Verdienst, welches sich die Empiriker um den Erkenntnisgang erworben haben. Und in diesem Sinn wirken sie selbst heut noch auf die Heilkunst unserer Tage in vorteilhaftem Sinne. Daß nun aber das erkenntnis-theoretische Paradigma der Em- piriker neben den soeben erwähnten bedeutsamen Fortschritten in anderer Hinsicht geradezu fortschritt-hemmend sich bewiesen hat, kann nicht in Abrede gestellt werden. Und zwar machte sich diese Tatsache durch die feindselige Stellung bemerkbar, mit welcher sie der Einfügung von Hilfswissenschaften in den Er- kenntnisgang sich entgegenstellten. Diese ihre Abneigung, das zu einem medizinischen Urteil erforderliche Material noch durch andere Beobachtungen als grade nur durch klinische zu gewinnen, wurzelte in dem spekulativen Charakter der von der Medicina rationalis zur Urteilsfallung herangezogenen Hilfswissenschaften. Vornehmlich waren es die durch und durch spekulative Physio- logie und Pathologie der fatptxv] lofixi], welche ihr Mißtrauen wachriefen und wachhielten und sie schließlich auch dazu führten, selbst die Anatomie aus der praktischen Heilkunde zu ver- weisen. § 16. Die Rolle, welche der Analogieschluss in der antiken Medizin von den Nachfolgern der Hippokratiker an bis auf Galen gespielt hat. Der Analogieschluß hatte, wie wir dies in § 11S. 32 ff. auseinander- gesetzt haben, auf den Erkenntnisgang der hippokratischen Medizin bereits einen bemerkenswerten Einfluß ausgeübt. Und zwar hatte sich die Beschaffenheit dieses Einflusses bald schädlich, bald förder- sam gestaltet, je nachdem der Ähnlichkeitsbegriff hypothetisch oder induktiv beschafft worden war. Genau das Nämliche gilt nun auch für die nachhippokratische antike Medizin. Auch hier begegnen wir in allen Phasen derselben dem Analogieschluß. AlleSchulen undSysteme haben sich seiner mehr oder minder bedient, und je nachdem sie den hypothetischen oder induktiven Analogieschluß anwandten, haben sie Schaden oder Nutzen gestiftet. Rückhaltslos hat sich des hypothetischen Analogieschlusses die medicina rationalis bedient und zwar vornehmlich bei Erforschung der Pathogenese. Was Galen (de optima secta Cap. XI, Kühn, 4*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24757433_0067.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)