Kritik der medicinischen Erkenntnis : eine medicin-geschichtliche Untersuchung / von Prof. Dr. Hugo Magnus.
- Hugo Magnus
- Date:
- 1904
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Credit: Kritik der medicinischen Erkenntnis : eine medicin-geschichtliche Untersuchung / von Prof. Dr. Hugo Magnus. Source: Wellcome Collection.
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![der Therapie. Die Vorschriften, durch welche er hier den erkenntnis- theoretischen Gang des Arztes zu leiten sucht, verdienen, wie Häser (I. 371) sehr richtig bemerkt, durchaus das Lob der Klarheit und Übersichtlichkeit. Zuvörderst muß der Arzt entscheiden, ob eine Krankheit über- haupt heilbar sei oder nicht, und dann, ob die Heilung der Natur möglich sei oder dem Arzt. Als Beispiel, wie er dies meint, nennt Galen den Fall eines Knochenbruches; hier könne die Natur die richtige Lagerung der Bruchenden nicht allein leisten, dies könne aber der Arzt. Und als Beispiel dessen, was die Natur vermöge, nicht aber der Arzt, nennt er die Heilung eines Geschwüres. Die Füllung eines solchen mit dem betreffenden Gewebe könne wohl die Natur, nicht aber der Arzt vollbringen. Das, was der Arzt in solchen Fällen allein vermöge, sei, die Natur zu unterstützen (u7:Y]pexerv xal aujiTcpocxxEiv x'^ cpüaet. De constitutione artis med. Kap. XII. Kühn I, Seite 265). Galen ist nun des weiteren eifrig bemüht, dem Arzt die er- kenntnis-theoretischen Wege zu zeigen, auf denen derselbe die Einzelurteile gewinnen möge, welche ihm dann einen generellen Schluß auf die Behandlung ermöglichen können. Er nennt die verschiedenen Wege, auf denen ein therapeutisches Endurteil er- bracht werden könne, evet^ig, was die moderne Medizin mit Indi- kation wiedergibt. Diese Indikationen gliedern sich nach ihm in drei Haupt- klassen : Indikation. Natur des krankhaften Zu- Konstitution des Kranken. Äußere Verhältnisse des Standes. C. ' .Kranken. Temperament, Alter, Ge- Charakt., Ursache, Stadium, schlecht, körperliche Be- Beruf, Aufenthaltson, Komplikation ergeben die schaffenheit im allgemeinen Jahreszeit, Ivlima, eventu- symptomatische.prophylak- und der einzelnen Organe, eller epidemischer Charakter tische, pathologische uijd individuelle Neigung zu be- u. dgl. ni. die exjuvantibus undnocen- stimmten Erkrankungen, tibus stammende Indikation. Überschaut man die einzelnen Positionen dieses Schemas, so wird man sich überzeugen, daß Galen im engsten Anschluß an die praktischen Verhältnisse bestrebt gewesen ist, dem Arzt die Wege zu weisen, auf denen der auf Gewinnung sachgemäßer therapeutischer Maßnahmen abzielende erkenntnis - theoretische Prozeß sich zu bewegen hat. In welcher Weise sich der Erkenntnis-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24757433_0076.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)