Der moralische Schwachsinn : Allgemeinverständlich dargestellt für Juristen, Ärzte, Militärärzte und Lehrer / von Dr. Schaefer ..
- Schaefer, Heinrich, M.D.
- Date:
- 1906
Licence: Public Domain Mark
Credit: Der moralische Schwachsinn : Allgemeinverständlich dargestellt für Juristen, Ärzte, Militärärzte und Lehrer / von Dr. Schaefer .. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Brandeis University Libraries, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Robert D. Farber University Archives & Special Collections Department, Brandeis University.
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No text description is available for this image![1. Begriff des moralischeu Schwachsiuns, Der Begriff des moralischen Schwachsinns ist ein uralter. Sokrates sagt: das Gegenteil von Weisheit (dazu rechnet er auch die Moralität) ist Geisteskrankheit, nicht jede Unwissenheit (Unmoralität)' aber Geisteskrankheit, d. h. die Belehrung muss hinzukommen; wird sie nicht verstanden, dann liegt Geistes- krankheit vor. Das heisst mit anderen Worten: durch den Mangel der Erziehung, die Einimpfung unmoralischer Ideen von Kindheit an, die Erziehung zum Verbrechen, kommen der geistig gesunde Verbrecher und der verbrecherische Geisteskranke (von Geburt aus) zu demselben Resultat, der letztere aber auf einem andern Wege, weil er sich den Belehrungen, d. h. guten, un- zugänglich erweist. Wer trotz guter Erziehung nicht moralisch reif wird, ist geisteskrank, während der von schlechter, gar keiner Erziehung, es nicht zu sein braucht. Die Unerziehbarkeit gewisser Kinder war ihm also bekannt und er nahm dafür eine krankhafte Anlage, Schwachsinn, an. Sein Lehrsatz war, dass die Tugend ein Wissen, richtiger gesagt ein Begreifen sei. Die Griechen unterschieden vier Tu- genden: avÖQHa^ (Tapferkeit) was wir Patriotismus, National- gefühl, Vaterlandsliebe, die dixuioGwi] (Gerechtigkeit) was wir Moralität, die ocoff^ooiu)] (Mäßigkeit) was wir gesellschaftliche Ge- sittung, die ooffia (Weisheit) was wir Tüchtigkeit im Beruf nennen. Der patriotische, moralische, gesittete und berufstüchtige Mensch war bei ihnen der Tugendhafte, wir sagen Gebildete. Wissen war für sie gleichbedeutend mit begreifen, intelligent sein. Die Stoiker legten das Hauptgewicht auf die Moral. Sie waren in unserem Sinne religiöse Menschen, ja ihre Moral ist fast genau dieselbe wie die christliche. Ihre Philosophie bot ihnen,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20997668_0013.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)