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Credit: Über subphrenische Abscesse / von Karl Maydl. Source: Wellcome Collection.
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![und parallel zu demselben, einen ziemlich langen Schnitt aus und führte in die Höhle zwei dicke Drainrohre hinein. Nach gründlichem Ausspülen der Höhle legte ich einen Verband aus Jodoformgaze an, den ich während der ersten Tage zweimal täglich zu ändern gezwungen war, der copiösen eitrigen Ausscheidung wegen. Der Verlauf war anfangs sehr günstig. Schon am zweiten Tage wurde die Temperatur normal. Der Puls, trotz 120 Schlägen in der Minute, wurde stärkei-; Resp. circa 36. Harn normal, was Quantität und Qualität betrifft. Bacillen konnten im Eiter nicht gefunden werden. Der Zustand des Kranken besserte sich sehr schnell, so dass am 7. Tage nach der Operation ich Folgendes notiren konnte: Normale Körpertemperatur, Puls 86, Resp. 28. Der eitrige Ausfluss verminderte sich dermaßen, dass der Verband nur jeden zweiten Tag gewechselt wurde. Appetit besser; Patient fühlt sich viel besser, nur an trockenem Husten hatte er noch viel und oft zu leiden. Eine Untersuchung des Brustkorbes Hess keinei'lei Veränderungen finden. Am 13. Tage nach der Operation, d. h. am 6. September, war der Zustand bereits so gut, dass ich an eine baldige Entlassung des Patienten aus der Anstalt zu denken geneigt war. Eine an diesem Tage von mir vorgenommene genaue Untersuchung erwies, dass die Leber ihre normale anatomische Lage wieder eingenommen hat und dass über ihr in der Mamillarlinie auf einer grossen Fläche, d. h. vom Rippenbogen bis zur 4. Rippe hinauf, trotz vollständigen Mangels von Respirationsgeräuschen, der Percussionsschall hell tympanitisch (Pneumothorax subphrenicus artef.) gewesen ist. Über der 4. Rippe von vorne und über der 7. von hinten war das Respirations- geräusch etwas verschärft. In der linken Brustkorbhälfte war alles normal. Seitens der Bauchorgane, ausser einem leichten Singultus, nichts Anormales. Die Wunden waren bereits viel kleiner geworden und waren überall mit schönen Granulationen bedeckt. Patient konnte schon seine Lage verändern, die Rückensteiflieit ist gewichen. Normale Temperatur, Puls 86, Respiration 26. So günstig der Verlauf bisher gewesen ist, so änderte er sich plötzlich zum Schlimmeren und führte schliesslich ein letales Ende herbei. Diese Wandlung fand am 15. Tage nach der Operation, d. h. am 8. September, statt. An diesem Tage fand ich den Kranken in einem so verzweifelten Zustande, dass man sofort an eine metastatische linksseitige Pleuritis, zweifellos eitrigen Charakters, denken musste. Er litt nämlich an heftigen Schmerzen in der linken Seite, so dass er gar nicht im Stande war, sich auszustrecken; an trockenem, sehr häufigem und schmerzhaftem Husten, oberflächlichem Athmen, dessen Häufig- keit gar nicht zu zählen war; sein Puls war schwach, reichte über 140 in der Minute, die Temp. betrug nach dem Schüttelfrost 38'6 am Morgen. Eine genauere physikalische Untersuchung konnte selbstverständlich bei solchem Zustande nicht vorgenommen werden. Nach Application von trockenen Schröpfköpfen, warmen Umschlägen und subcutaner Morphiuminjection ergab die Untersuchung auch nichts Bestimmtes, da die Respirationsgeräusche in der linken Lunge vorne irnd hinten, oben und imten damals noch sehr undeutlich waren, die Percussion aber heftige Schmerzen dem Kranken verursachte; ich sah mich deshalb gezwungen, letztere auf später aufzu- schieben. Abendtemperatur 39'1. Am 10. September Temperatur morgens 386. Puls 132. Circa 48 Respirationen in der Minute. Links waren die Athmungsgeräusche immer noch undeutlich, ein Reibungsgeräusch der Pleurablätter vernahm ich nirgends. Die Percussion erwies hinten und unten eine bis zur Mitte des Schulterblattes reichende Dämpfung. Eine unter dem Winkel der Scapula vorgenommene Probe]3unction zeigte, dass eitrige Flüssigkeit dort vorhanden war. Rechterseits normale Percussionsergebnisse. Da eine Pleurotomie bei solchem Zustande des Kranken sehr gewagt erschien, so entschloss ich mich nur zur Aspiration der Flüssigkeit. Dieselbe wurde mit dem Potain'schen Apparat am nächsten Tage ausgeführt und 250 cm^ Eiter wurden herausgepumpt. Abends Temperatur 40. Am nächsten](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21066693_0314.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


