Augenheilkunde und Ophthalmoskopie : für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Hermann Schmidt-Rimpler.
- Schmidt-Rimpler, Herman, 1838-1915.
- Date:
- 1901
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Credit: Augenheilkunde und Ophthalmoskopie : für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Hermann Schmidt-Rimpler. Source: Wellcome Collection.
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![Kurzsichtigen auch binocular mit aufgesetzten Gläsern sehen: man findel dann häufig dass dieselbe Sehschärfe erreicht wird mit schwächeren G-läsern, als sie bei der monocularen Prüfung nötig waren, wo unter der deckenden Klappe ein Auge vielleicht etwas convergirte und da- durch eine Accommodationsspannung herbeiführte. Die Wahl der Gläser richtet sich nach dem Grade der Kurz- sichtigkeit, nach der Sehschärfe und nach der Accommodations- breite des Patienten. Wenn wir von dem Kurzsichtigkeitsgrade hier sprechen, so ist die reelle Kurzsichtigkeit unter Ausschluss einer com- plicirenden al»normen Accommodationsspannung' oder eines Accommo- dationskrampfes gemeint. Das Brillentragen ist gegen Ende des 13. Jahrhunderts zunächst in Italien in Gebrauch gekommen; in Deutschland wird die C'oncavbrille seit Mitte des 16. .Jahrhunderts häufiger benutzt. Xero's concav geschliffener Smaragd diente nur als Hohlspiegel (Hirschberg). — Man achte vor allem darauf, dass die Brille gut sitzt und die Gläser grade senkrecht vor dem Auge stehen; nicht etwa die lateralen Seiten durch die Brillenstange nach hinten gezogen werden. Ebenso muss ihr Centrum, wenn nicht besondere, später zu erwähnende Gründe es anders bedingen, grade vor der Pupillenmitte beim Blick grade aus liegen. Die Distance der Pupillenmitten von einander ist individuell verschieden: rund (iü mm. Auch soll das Glas klar und ohne Bisse, Schlieren etc. sein. Die „isometropen Gläser über- treffen unsere guten Gläser an Klarheit und Durchsichtigkeit kaum und die ge- rühmte, etwas stärkere Brechung ist für eine grössere Dünnheit und Leichtigkeit fast ganz bedeutungslos. Ob man Brille, Pince-nez oder Lorgnette benutzen will, hängt zum Theil von der Dauer des Gebrauches, zum Theil von der Neigung — und der Nase des Trägers ab. Bei beständigem Aufbehalten oder langfortgesetztem Gebrauch ist die Brille meist vorzuziehen, da sie am sichersten sitzt. Bei normaler Sehschärfe, guter Accommodationsbreite (etwa annähernd bis 120 D.), wie sie dem jugendlichen Alter ent- spricht und einer Myopie bis etwa 6-5 (circa ]/e) würde wissenschaftlich nichts dagegen einzuwenden sein, wenn man dem Patienten eine corri- girende oder fast corrigirendc Brille zum dauernden Tragen giebt. Aller- dings wird der Myop anfänglich dadurch in andere Accommodations- verhältnisse beim Nahesehen gesetzt. Wir wissen, dass die relative Accommodationsbreite bei ihm sich anders ausgebildet hat. als beim Emmetropen. Wenn ein Myop 5-0 beispielsweise bei einer Conver- genz auf ein 20 cm entferntes Sehobjeet ohne Brille keine Accommoda- tionsanstrengung nöthig hatte, so würde er unter der corrigirenden Brille, die ihm seinen Fernpunkt in die Unendlichkeit legt, jetzt beim Blick auf 20 cm Entfernung 5-0 aecommodiren müssen. Dies wird ihm anfänglich viel schwerer und unbequemer fallen, als dem Emmetropen, bei dem sieh stets mit dieser Convergenz auf 20 cm auch eine Accom- modationsspannung verknüpft hatte. Alier allmählich wird sich das Auge eines jugendlichen Individuums den neuen Verhältnissen anpassen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21167990_0102.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)