Augenheilkunde und Ophthalmoskopie : für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Hermann Schmidt-Rimpler.
- Schmidt-Rimpler, Herman, 1838-1915.
- Date:
- 1901
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Credit: Augenheilkunde und Ophthalmoskopie : für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Hermann Schmidt-Rimpler. Source: Wellcome Collection.
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![Therapie des concomitirenden Schielens. (303 tischen Gründen veranlasst, die Augen richtig einzustellen. Hierdurch löst sich allmählich das Band, welches sich zwischen Aeeommodations- tendenz und abnormer Convergenz gebildet hat. Auch mögen Verän- derungen im Sehnenansatz der Muskeln, wie sie mit der Vergrößerung der Orbita in den Jahren des Wachsens verknüpft sind (Weiss), weiter in Betracht kommen. IV. Therapie. Die Behandlung des Strabismus convergens muss in den Fällen, wo sich eine Abhängigkeit von Hyperopie zeigt, zuerst danach streben, auf friedlichem Wege eine normale Einstellung der Augen zu erzielen. Die meiste Aussicht hierzu ist vorhanden, wenn grössere Anomalien in der Muskelkraft, worüber besonders die Blickfeldmessung Auskunft giebt, fehlen, wenn das Sehvermögen beider Augen ein annähernd gleiches ist und ein gewisses, normales, binoculares Sehen (durch Hervorbringung von Doppelbildern erweisbar) noch besteht. Vor Allem muss man hier eine übermässige Accommodation durch Tragen von entsprechenden Gonvexgläsern unnöthig machen. Für die Nähe sind jedenfalls diejenigen Convexgläser zu tragen, welche die volle, oft latente Hypermetropie ausgleichen. Für die Ferne lasse man Gläser entsprechend der mani- festen Hyperopie verwenden. Ausserdem ist auf eine Stärkung des binocularen Sehactes hinzuarbeiten. Falls das Auge erheblich seh- schwacher sein sollte und vor Allem, wenn es seine Gebrauchsfähigkeit eingebüsst hat, sind Separatübungen anzustellen. Man lässt zu dem Zweck täglich einige Male etwa V4 bis ]/2 Stunde lang unter Verdeckung des besseren Auges mit einer Klappe das sehschwache Auge grössere Schrift lesen, entsprechend seiner Sehkraft und nötigenfalls mit Zu- hülfenahme von Convex- oder cylindrischen Gläsern. In einiger Zeit lässt sich hierdurch oft eine erheblich gesteigerte Ausdauer und Ver- wendbarkeit des Auges erreichen. Alsdann sucht man durch stereo- skopische Uebungen, auf die du Bois-Reymond als Heilpotenz für Schielende zuerst aufmerksam gemacht hat, binoculares Sehen zu schaffen und die Gradstellung zu befördern. Man benutzt am besten das sogenannte amerikanische .Stereoskop. Xach Javal's Vorgang kann man sich hierbei farbiger Oblaten bedienen, die, ent- sprechend der Schielstellung, auf der Seite des convergent schielenden Auges etwas näher an der trennenden Mittellinie des Vorlegeblattes aufgeklebt werden. Ich benutze als Vorlegeblatt eine starke Pappe, welche horizontale Rinnen enthält, in denen sich je zwei übereinanderstehende kleine farbige Scheiben mit einem Drahtstäbchen verschieben und so sehr bequem mehr oder weniger der Mittellinie annähern lassen: auf beiden Hälften liegt in der Mitte eine rothe Scheibe, darüber auf der ünken Hälfte eine blaue, auf der rechten Hälfte darunter eine grüne](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21167990_0619.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)