Augenheilkunde und Ophthalmoskopie : für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Hermann Schmidt-Rimpler.
- Schmidt-Rimpler, Herman, 1838-1915.
- Date:
- 1901
Licence: Public Domain Mark
Credit: Augenheilkunde und Ophthalmoskopie : für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Hermann Schmidt-Rimpler. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Francis A. Countway Library of Medicine, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Francis A. Countway Library of Medicine, Harvard Medical School.
640/722
![Motilität beschränkt, öfters sind Doppelbilder vorhanden. Auch Stö- rungen des Sehvermögens treten auf: ebenso Schmerzen in der Tiefe der Augenhöhle und Stirngegend; Fiebererscheinungen und Dyspepsie. Der Augapfel erseheint bei der Betastung härter, ebenso die Um- gebung desselben. Bildet sieh Eiterung, so tritt an einer umschrie- benen Stelle der Conjunetiva oder Lidhaut eine Geschwulst auf, die später fluctuirt. Mit der Eiterentleerung verringern sich sämmtliche Erscheinungen. Nicht selten setzt die Affection auf das Auge über; es kommt zu eitriger Chorioiditis, die zur Phthisis führt, oder auch die mangelhafte Lidbedeckung bewirkt Hornhautverschwärung. Ebenfalls nicht selten sind Erblindungen durch Erkrankungen des Sehnerven (Neuritis, Throm- bose der V. centralis retinae [Leber, Vossius]; gelegentlich auch nur eine einfache Venensehlängelung, nach der schliesslich doch noch Atrophie eintritt). Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die plötzlich entstehenden Erblindungen vorzugsweise auf die Gefäss-Compression zu schieben sind. Auch Netzhautblutungen und -ablösungen sind beobachtet. Bisweilen werden die Orbitalvenen thrombosirt und geben zu Py- ämie Anlass. Die Thrombose dringt öfters bis in den Sin. cavernosus und kann selbst durch die Sin. intercavernosi auf den Sin. cavernosus der anderen Seite übergreifen und so doppelseitigen Exophthalmus hervorrufen; ausnahmsweise, wie ich in einem Fall gesehen, bleibt sie auf die Orbitalvenen beschränkt. Handelt es sich, wie meist, um eine septische Venenthrombose, so beobachtet man auch in der Umgebung des Auges, besonders an den Lidern Abscedirungen, bisweilen so kleine, dass sie als Eiterpunkte erscheinen. In den Muskeln der Orbita und in den Gefiisswänden habe ich ebenfalls Abscesse, zum Theil mit Kokken durchsetzt, gefunden. Das Fettzellgewebe ist serös oder eitrig infiltrirt. In diesen schweren Fällen gehen die Kranken meist an eitriger Meningitis, Hirnabscessen oder Pyämie zu Grunde. Die primäre Hirnsinusthrombose kann ähnliche Erscheinungen, wie wir sie bei der Orbitalphlegmone haben, hervorrufen: so einseitigen Exophthalmus, Hyperämie und Oedem der Bindehaut, des Orbitalfettzellgewebes und des Augen- lides. Sie führt aber nicht zu Eiterungen; jedoch kann sie sich mit eitriger Chorioiditis compliciren. Als besonders charakteristisch wird das gleich- zeitige Bestehen eines Oedems in der Gegend des Processus mastoideus angegeben, ebenfalls durch Stauung von in den sin. cavernosus sich ergiessenden Venen bedingt. Die Orbitalphlegmone entstellt abgesehen von directen infectiösen Verletzungen <>dvr < Operationen - am häufigsten durch ein Ueber- greifen der Entzündung von nahe gelegenen Krankheitsherden (Gesichts- erysipel, Periostitis und Caries der Orbita, eitrigen Thränensackleiden,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21167990_0640.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)