Augenheilkunde und Ophthalmoskopie : für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Hermann Schmidt-Rimpler.
- Schmidt-Rimpler, Herman, 1838-1915.
- Date:
- 1901
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Credit: Augenheilkunde und Ophthalmoskopie : für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Hermann Schmidt-Rimpler. Source: Wellcome Collection.
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![machen, im ersten Jahre einen Erwerbsverringerung von 30,9 °/0 an, im zweiten von 21,1 °/0 , bei solchen mit geringeren optischen Ansprüchen 27,3 °/0 bez. 18,3%. Früher wurde der zur Entschädigung kommende Verlust an Erwerbsfähigkeit bei Einäugigen gewöhnlich auf 33 '/3 % angenommen. Es beruht dies auf einer Formel von Zehen der I—~— wo a die Sehschärfe des erhaltenen Auges bezeichnet), welche die be- stehende Erwerbsfähigkeit ausdrücken soll: jedoch kommt man mit mathematischen Formeln hier nicht weit! Jetzt ist auch vom Reichs- versicherungsamte ein geringerer Procentsatz festgesetzt worden: bei ge- wöhnlichen Arbeitern etwa 25 °/0. Nach individuellen Verhältnissen (wobei auch besonders das Lebensalter in Betracht zu ziehen ist). kann man die Verringerung etwa zwischen 20 °/0 bis 30 °/0 schwanken lassen. Dabei ist nicht nöthig, dass das erhaltene Auge S==l hat; für gewöhnliche Tagelöhner kann die Arbeit schon mit S1/2 ge- leistet werden; für Berufe mit höheren Sehansprüchen hält Magnus S3/4, Groenouw S2/3 erforderlich. Es würde demnach bei Verletzungen, die eine Herabsetzung der Sehschärfe bedingen, welche diese Grenzen nicht überschreitet, auch keine Verringerung der Erwerbsfähigkeit an- zunehmen sein. Volle Erwerbsunfähigkeit bei gewöhnlichen Arbeitern, soweit dabei der Verlust des Sehvermögens eine Rolle spielt, würde ich erst dann annehmen, wenn die Sehschärfe etwa unter ]/20 bis V30 sänke, da ich nicht selten Individuen gefunden habe, die noch viele Dienstleistungen der Tagelöhner und Knechte mit dieser Sehschärfe ausführten. Die durch Verlust eines Auges bewirkte Sehstörung wird sich im Anfange bemerklicher machen als später, wenn eine gewisse Ge- wöhnung und Einübung eingetreten ist. Der Hauptschaden des einäugigen Sehens beruht nämlich in dem Verluste des Körperlichsehens; später bildet sich wieder ein gewisses Körperlichsehen heraus, wie man dies, abgesehen von den Beobachtungen der Arbeiter, selbst auch direct constatiren kaim, wenn man Distancc- Sehätzungen vornehmen lässt, indem man auf einem Lineal zwei Stäb- chen (dicke Nadeln mit Knöpfen) in verschiedener Entfernung aufstellt und nun sagen lässt, welches Stäbchen näher oder ferner steht (P fa 1 z hat hierzu ein kleines Instrument angegeben). Durch leichte Kopf- bewegungen, Convergenz- oder Aecommodations-Aenderungen kann auch der Einäugige allmählich ein für die Arbeiten in der Regel ausreichen- des Körperlichsehen erlangen, wenn es auch nie die Vollkommenheit des binocularen Sehens erreicht. Ausserdem ist die Verkleinerung des Gesichtsfeldes bei manchen Arbeiten, besonders bei gefährlichen Betrieben (bei Maschinen), als störend in Betracht zu ziehen: auch](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21167990_0694.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)