Untersuchungen über Kohlenhydrate und Fermente (1908-1919) / von Emil Fischer.
- Emil Fischer
- Date:
- 1922
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Credit: Untersuchungen über Kohlenhydrate und Fermente (1908-1919) / von Emil Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![der Bezeicliung fiir Isomere sind. Beider hat Hr. Nef im AnschluB an seine Spekulationen auch den Vorschlag gemacht, die Nomenklatur der Glucoside abzuandern, d. h. das jetzige <%-Methyl-glucosid als 7-Verbindung zu bezeichnen, weil es allein einen 7-Oxydring (7-Eactonring) enthalte. Auf diesen Vorschlag, dessen Annahme die groBte Verwirrung in der Bezeichnung der Glucoside hervorrufen wiirde, kann ich nach dem oben Ausgefiihrten natiirlich keine Riicksicht nehmen. Das y- Methyl-glucosid ist ein zahfliissiger Sirup, der leider bisher alien Krystallisationsversuchen widerstanden hat. Seine Einheit- lichkeit ist also zweifelhaft, und ich halte sogar aus theoretischen Grun¬ den fiir wahrscheinlich, daB es spater als ein Gemisch von Isomeren (wahrsclieinlich Stereoisomeren) erkannt wird. Charakteristisch ist seine aul3erordentlich leichte Hydrolysier- barkeit durch Sauren, worm es sogar den Rohrzucker iibertrifft. Gegen warmes Wasser, Alkali und Fehlingsche Rosung zeigt es eine ahnliche Bestandigkeit wie <x- und /BMethyl-glucosid. Ich halte es des- halb fiir sehr wahrscheinlich, daB es auch eine ahnliche Struktur hat, nur mit dem Unterschied, daB der Oxydring nicht in der 7-Stellung geschlossen ist. Ob dafiir a-, /?-, S- oder gar £-Stellung anzunehmen ist, bleibt vorlaufig ungewiB. Ich will nur darauf liinweisen, daB das Vor- handensein eines solchen Oxydrings stets die Moglichkeit der Existenz von zwei Stereoisomeren bedingt, und daB ich aus diesem Grunde geneigt bin, das Produkt als ein Gemisch von Stereoisomeren zu betrachten. Die Auffindung des 7-Methyl-glucosids eroffnet neue Gesichtspunkte fiir die Chemie der Glucoside und der komplizierten Kohlenhydrate. Selbstverstandlich wird man bei den Isomeren des Traubenzuckers, ferner bei den Pentosen, Heptosen usw. die Bildung ahnlicher Produkte erwarten diirfen. Aber es scheint mir jetzt auch notig, die Versuche fiber die Methylierung des Glykolaldehyds1) und des Glycerinaldehyds2), bei denen friiher nur die richtigen Ace tale, aber in ziemlich schlechter Ausbeute, isoliert wurden, zu wiederholen, um zu priifen, ob nicht auch hier gleichzeitig Substanzen vom Typus des 7-Methylglucosids gebildet werden. Ferner ist eine erneute Untersucliung des siruposen Methyl- fructosids3) angezeigt, das durch seine leichte Hydrolysierbarkeit mit dem 7-Methyl-glucosid Ahnlichkeit hat. Auch fiir die Beurteilung der verschiedenen Formen des Traubenzuckers kann die Kenntnis des neuen Glucosids von Bedeutung werden. Was die gewohnlichen Disaccharide betrifft, so scheinen mir Mal¬ tose, Cellobiose und Milchzucker schon durch ihr Verhalten gegen Enzyme x) F. Fischer und Giebe, Berichte d. D. Chem. Gesellsch. SO, 3053 [1897]. 2) A. Wohl und C. Neuberg, ebenda 33, 3103 [1900]. 3) F. Fischer, ebenda 88, 1160 [1895]. (Kohlenh. I, 750).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928199_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)