Untersuchungen über Kohlenhydrate und Fermente (1908-1919) / von Emil Fischer.
- Emil Fischer
- Date:
- 1922
Licence: In copyright
Credit: Untersuchungen über Kohlenhydrate und Fermente (1908-1919) / von Emil Fischer. Source: Wellcome Collection.
38/552 (page 24)
![Kuppelung mit der Acetobromglucose war die freie Glykolsaure nicht brauchbar, weil sie das fiir die Bindung des Bromwasserstoffs erforder- liche Silberoxyd neutralisiert. Wir haben deshalb anstatt der freien Saure den Athylester benutzt1). Der bei der Kuppelung entstehende Tetracetylglucosidoglykolsaureester lai3t sich einerseits durch Baryt zur Glucosidoglykolsaure C6H1105 • O • CH2COOH verseifen und andererseits durch Ammoniak in Glucosidoglykolsaureamid C6Hn05 • O • CH2CO • NH2 verwandeln. Beider ist es nicht gelungen, die letzte Verbindung durch Wasserabspaltung in das entsprechende Nitril, das als der Stammvater des Amygdalonitrilglucosids und ahnlicher Verbindungen betrachtet werden kann, iiberzufiihren. Mit Ausnahme des Cetylglucosids und der Glucosidoglykolsaure werden alle oben erwahnten Glucoside von Emulsin gespalten, gehoren also zur /3-Reike. Fiir die Glucosidoglykolsaure folgt dasselbe aus der Beziehung zum Amid. Der Unterschied zwischen Saure und Amid im Verhalten gegen Emulsin verdient hervorgehoben zu werden. An den sauren Eigenschaften liegt die Indifferenz der Saure nicht, denn die Salz- werden ebensowenig von dem Ferment angegriffen. Ahnliche Beobach- tungen hat J. H. Kastle2) schon vor langerer Zeit mitgeteilt. Dai3 es sich aber hierbei nicht um eine allgemeine Erscheinung handelt, ist bereits von Max Slimmer3) gezeigt worden. J) Denselben Kunstgriff hat F. Mauthner angewandt bei der Synthese von Glucosiden der Phenolcarbonsauren (Journ. f. prakt. Chem. 88, 271 [1910] und 83, 556 [1911]). DaJ3 unsere Versuche von seinen Publikationen unabhangig waren, ergibt sich aus dem Datum der vorlaufigen Notiz iiber die Eigenschaften der Glu¬ cosidoglykolsaure (Berichte d. D. Chem. Gesellsch. 43, 2522 [1910]) {S. 219). Zur Erganzung der von F. Mauthner gegebenen historischen Ubersicht iiber die Methoden der Glucosidsynthese bemerke ich folgendes: Das Verfahren von Michael zur Bereitung der Phenolglucoside ist von E. F. Armstrong und mir (Berichte d. D. Chem. Gesellsch. 34, 2885 [1901]) (Kohlenh. /, 799) erheblich ver- bessert worden, indem wir die reine krystallisierte Acetochlorglucose mit Natrium - phenolat -ohne Alkohol zusammenbrachten, das Tetraacetyl-/?-phenolglucosid iso- lierten und dieses mit Baryt in Phenolglucosid verwandelten, nachdem allerdings vorher K 6 nigs und Knorr die Acetobromglucose durchMethylalkohol und Silber¬ oxyd in Tetraacetylmethylglucosid und durch Verseifung des letzteren in /?-Methyl- glucosid iibergefiihrt hatten. Ferner haben Raske und ich (Berichte d. D. Chem. Gesellsch. 42, 1465 [1909]) (5. 11) durch Schiitteln einer alkalischen Losung von Vanillin mit einer atherischen Iydsung von Acetobromglucose das Glucovanillin synthetisch bereitet, womit zu- gleich die Synthese der Glucovanillinsaure, die nach Tie maun (ebenda 18, 1597 [1885]) durch Oxydation des Glucovanillins entsteht, verwirklicht war. Mauthner hat sie jetzt auch direkt aus Vanillinsaureester und Acetbromglucose ganz in der gleichen Weise bereitet. E. Fischer. 2) Chem. Centralbl. 1902, II, 392. 3) Berichte d. D. Chem. Gesellsch. 35, 4160 [1902].](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29928199_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)