Die chirurgische Behandlung der Gallensteinkrankheit : ein Rückblick auf 206 Gallenstein-Laparotomieen unter besonderem Hinweis auf die Nothwendigkeit frühzeitiger Operationen. Für praktische Aerzte und Chirurgen.
- Hans Kehr
- Date:
- 1896
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Credit: Die chirurgische Behandlung der Gallensteinkrankheit : ein Rückblick auf 206 Gallenstein-Laparotomieen unter besonderem Hinweis auf die Nothwendigkeit frühzeitiger Operationen. Für praktische Aerzte und Chirurgen. Source: Wellcome Collection.
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![für meine Person werde bei derartigen Fällen, wie den oben ge- schilderten, mich in Zukunft bei der Probeincision begnügen. — Ist das Carcinom noch nicht weit vorgeschritten, besteht die Cholämie noch nicht zu lange, ist der Patient noch gut bei Kräften, so mag man immerhin die Cholecystenterostomie ausführen und'wenn die Erfolge auch nicht so in die Augen springend sind, wie z. B. bei der Gastro-Enterostomie beim inoperablen Pyloruscarcinom,1) so ist der Segen, den die Operation den vielgequälten Patienten schafft, doch nicht zu unterschätzen. Wie mit einem Schlag ist das lästige Hautjucken beseitigt, der Appetit hebt sich wieder, der Druck in der Lebergegend hört auf; mit einem Wort: die Patienten sind wie neugeboren. Und es ist doch viel werth, Linderung zu schaffen da, wo eine Heilung unmöglich ist. Viele Aerzte stehen allerdings auf einem anderen Standpunkt und meinen, dass ein der- artiges Hinausschieben des Todes für Patienten und Angehörige gleich unbequem ist. Ich meine indess, so lange wir im Stande sind, das fliehende Leben aufzuhalten und so die Qualen der Krankheit zu beseitigen, sollen wir es versuchen. Aus diesem Grunde bin ich auch ein vollständiger Anhänger der Gastro-Enterostomie und. habe mit dieser Operation so gute Resultate, dass ich sie immer anwende, wo sie überhaupt noch anwendbar ist. Die vierte Cholecyst-Enterostomie2) kam zur Anwendung bei einer Frau, an der ich schon zweimal die Choledochotomie aus- geführt hatte. Ich bin nämlich der Meinung, dass in erster Linie bei Choledochusverschluss durch Stein die Choledochotomie in Be- tracht kommt und erst bei absoluter Unausführbarkeit dieser Operation kommt die Cholecyst-Enterostomie an die Reihe. Ich habe bisher 30 Choledochotomieen vollzogen und habe immer die Steine entfernen können, nur einmal wurde ich beim Gallenstein- leiden zur Cholecyst-Enterostomie bewogen, aber nicht wegen Ver- schluss des Choledochus durch Steine, sondern wegen Abknickung durch Verwachsungen. ]) Diese Operation halte ich bisher 9 Mal ausgeführt; keinen Pat. habe ich an Peritonitis oder Nahtinsufficienz verloren. -) siehe p. 161.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21018054_0199.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


