Grundriss der Physiologie des Menschen : für Studirende und Ärzte / von J. Steiner.
- I. Steiner
- Date:
- 1886
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Credit: Grundriss der Physiologie des Menschen : für Studirende und Ärzte / von J. Steiner. Source: Wellcome Collection.
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![theorie oder Züclitungslehre'^, die heute kurzweg die „Darwin'- sclie Theorie^' genannt wird. Der Inhalt derselben ist folgender: „Im Kampfe ums Dasein, den alle Individuen gegen die umgebende Natur zu kämpfen haben, erwerben einzelne derselben gewisse Fähig- keiten, welche ihnen in diesem Kampfe nützlich sind und ihnen zum Siege verhelfen, sodass sie sich den umgebenden widerstrebenden Ver- hältnissen anzupassen vermögen. Aber auch nur diese Individuen haben Aussicht, ihre Art fortzupflanzen, da die anderen im Kampfe unterliegen, und diese übertragen die erworbenen nützlichen Fähigkeiten durch Vererbung auf ihre Nachkommen. Werden nun diese ererbten Fähigkeiten von den nachfolgenden Geschlechtern durch weiteren G-e- brauch immer mehr entwickelt, so müssen durch Anpassung und Vererbung bei natürlicher Zuchtwahl (als welche die Erhaltung und Fortpflanzung der siegreichen Individuen bezeichnet wird) neue Arten entstehen können.^' Demnach lässt sich die Entwicklung der verschiedenen Gruppen des Thier- reiches in Form eines oder mehrerer Stammbäume anordnen. Man bezeichnet diese Entwicklung als „Stammesen,twicklung, ,,Ph3flogenie {cpv'Aop, Stamm) im Gegensatz zur Entwicklungsgeschichte des Individuums, der „Keimes- geschichte oder „Ontogenie (E. Häckel). Aus der oben unter 2) an- gegebenen Thatsache folgert Häckel, dass die Ontogenie eine in kurzer Zeit ab- laufende Eekapitulation der Phj'logenie darstellt („Biogenetisches Grund- gesetz)- Verfolgt man die Entwicklung des Säugethieres, speziell des Men- schen aus der Eizelle, so sieht man, dass sich dieselbe du]-ch Theilung vermehrt („Eifurchung''), bis sich ein grosser kugelförmiger Zellenhaufen entwickelt hat, der das Aussehen einer Maulbeere besitzt und „Morula genannt wird. Im Centrum des Zelleuhaufens, dessen centrale Zellen viel grösser sind, als die peripheren, sammelt sich Flüssigkeit an, welche die Zellen nach aussen drängt. Weiterhin sind aus jenen beiden Zellen- arten zwei konzentrisch gelagerte Häute entstanden; diese Bildung wird die „Keimblase'' genannt, welche aus den beiden primären „Keim- blättern zusammengesetzt ist. Dieselben Averden als Entoderm und Ectoderm bezeichnet und bilden die Grundlage für die gesammte weitere Entwicklung: aus dem Ectoderm entwickeln sich nämlich die Organe der animalen Sphäre, wie Centralnervensystem u. s. w., weshalb es das „animale Keimblatt heisst, aus dem Entoderm die vegetativen Organe, als Darmrohr u. s. w., welches danach als „vegetatives Keim- blatt bezeichnet wird. Die zweiblättrige Keimblase zeigt bald an einer Stelle ihrer Ober- fläche einen dunklen runden Fleck, der scheibenförmig erhaben in den Hohlraum der Blase vorspringt; es ist dies der „Fruchthof oder die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21206727_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)