Grundriss der Physiologie des Menschen : für Studirende und Ärzte / von J. Steiner.
- I. Steiner
- Date:
- 1886
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Credit: Grundriss der Physiologie des Menschen : für Studirende und Ärzte / von J. Steiner. Source: Wellcome Collection.
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![Lässt man Blut in eine flüssige Leimlösung einfliessen und macht durch die erstarrte Leimmasse mit dem Messer Durchschnitte, so sieht man auch den Inhalt der rothen Blutkörperchen erstarrt, was nicht der Fall wäre, wenn eine Membran den schwer diffusi])len Leim in das Blut- körperchen einzudringen gehindert hätte. Die rothen Blutkörperchen der übrigen Säugethiere sind, wie die des Men- schen, von gleicher Beschaifenheit, nur sind sie etwas kleiner; beim Affen eben so gross, grösser nur beim Elephanten. Eine Ausnahme unter den Säugern machen das Kamel und das Lama, deren Blutkörperchen nicht rund, sondern oval sind. Bei den Vögeln erscheinen sie länglich oval, nicht bikonkav, sondern gewölbt, und mit einem Kern versehen. Bei den Amphibien kommen die grössten Blutkörperchen vor; sie sind ebenfalls oval, aber breiter; ihre Fläche ist etwas abgeplattet und sie besitzen ebenfalls einen deutlichen Kern; am grössten sind sie beim Proteus anguineus, wo sie schon mit unbewaffnetem Auge als kleine Pünktchen wahr- genommen werden können. Bei der Mehrzahl der Fische sind die Blutzellen rund- lich oval, nicht viel länger als breit, während merkwürdigerweise die niedrigsten Fische, die Neunaugen, Blutkörperchen haben, ausserordentlich ähnlich denen des Menschen, sogar schwache bikonkave Scheiben, nur etwas grösser.^ In einem sehr frühen Stadium des Embryonallebens besitzen auch die rothen Blutkörperchen der Säugethiere einen Kern. Physikalische Eigenschaften der rothen Blutkörperchen. Lässt man eine Portion frisch aus der Ader entleerten Blutes in einem hohen Grlasgefäss stehen, so senken sich, besonders wenn die Gerinnung sehr langsam geschieht oder noch besser, wenn man das Blut durch Schlagen von dem gerinnenden Stoffe befreit, die rothen Blutkörperchen nach und nach vollständig zu Boden; darüber bleibt eine klare durch- sichtige, leicht gelbliche Flüssigkeit, das Serum, stehen, welches von rothen Blutkörperchen vollkommen frei ist. Der Grund dieses Sen- kungsvermögens liegt darin, dass das spezifische Gewicht der rothen Blutkörperchen ein höheres ist, als das der Blutflüssigkeit. Die auf dem Boden des Gefässes befindlichen Blutkörperchen . sind aneinander geklebt und erscheinen in Geldrollen form; übt man bei der Be- trachtung unter dem Mikroskop auf das Deckgläschen einen Druck aus, so verändern sie ihre Form, erhalten ihre ursprüngliche Gestalt aber wieder, wenn der Druck aufhört. Ganz ebenso sind sie im Stande, sich unter verschiedenartigster Formveränderung durch sehr enge Kanäle hin- durch zu zwängen, ohne ihre natürüche Form einzubüssen. Man schliesst daraus, dass ihre Oberfläche sehr klebrig und ihre Substanz weich und elastisch ist. Der Bau der rothen Blutkörperchen kann durch folgende Mittel verändert oder selbst zerstört werden. 1) Erwärmt man das Blut auf 52° C, so fangen die Blutkörperchen an zu schmelzen und zerfallen in Trümmer, die sich in der um- spülenden Flüssigkeit vertheilen (M. Schültze). Bei Hinzufügung von konzentrirter MiLNE Edwards. Physiologie et Anatomie comparee Bd. I.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21206727_0043.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)