Grundriss der Physiologie des Menschen : für Studirende und Ärzte / von J. Steiner.
- I. Steiner
- Date:
- 1886
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Credit: Grundriss der Physiologie des Menschen : für Studirende und Ärzte / von J. Steiner. Source: Wellcome Collection.
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![hätte. Viel weniger erregbar sind die Ganglienzellen des BiDDER'sclien Haufens, welche nur durch stärkere Eeize erregt werden können. Die Eeizung dieses letz- teren, das nur den Werth eines accessorischen Centrums besitzt, kann einfach mit Hülfe einer Xadel geschehen, durch welche man den ziemlich umschriebenen Punkt in der Atrioventrikularfurche sauft sticht: es folgen eine Eeihe Pulsationen von A''orhof und Ventrikel (H. Munk). Neuerdings werden immer melir Thatsachen bekannt, welche das obige Schema nicht zu befriedigen vermag. Wenn man nämlich die Abtheilung der Herzkammer, welche nach einem Schnitte unterhalb der Atrioventrikulargrenze übrig bleibt (Herzspitze), mit konstanten elek- trischen Strömen reizt (Eckhard), so beginnt sie rhythmisch zu pul- siren, ebenso nach Durchtränkung mit einer Lösung von Delphinin (Bowditch), sowie dann, wenn man sie unter hohen Druck setzt (TscHiRjEw). Daraus folgt aber, dass, wenn die Herzspitze völlig frei von nervösen Elementen ist, der Herzmukel durch die angeführten Reize zu rhythmischen Kontraktionen anzuregen ist. Diese be- sondere Stellung des Herzmuskels zeigt sich weiter in der wichtigen Thatsache, dass jeder minimale 'zugleich ein maximaler Eeiz ist (Kronecker), d. h. dass jeder äussere Eeiz, wenn er erst wirkt, stets die maximale Wirkung erzeugt. Hingegen ist die Dauer einer Systole, welche man als einfache Zuckung anzusehen hat, gegen jene der Skelett- muskeln von unverhältnissmässig langer Dauer. Endlich scheint der Herzmuskel nicht fähig zu sein, in Tetanus übergehen zu können (Kro- necker und Stirling). Zu allen diesen Leistungen ist das Herz nur dann befähigt, wenn ihm genügendes Nährmaterial zugeführt wird, wie unter normalen Ver- hältnissen geschieht. Aber das ausgeschnittene Herz wird scheintodt, wenn man ihm den SauerstofE' entzieht oder wenn man zuviel Kohlen- säure zutreten lässt, fängt aber wieder zu schlagen an, wenn man den Zutritt dieser Gase regulirt. Durchspült man es andauernd mit O-ß^j^ Kochsalzlösung, so tritt völlige „Erschöpfung ein (Keonecker), d. h. es giebt keinen Eeiz, der es auch nur zu einer Zuckung anzuregen vermöchte; die Eestitution ist nur möghch nach Zuführung neuen Nähr- materials (Blutserum u. a.). Trotzdem ist dadurch nicht bewiesen, dass die unter physiologischen Verhältnissen wirkenden Eeize direkt auf den Herzmuskel einwirken und den Ehythmus der Herzthätigkeit erzeugen; im Gegentheil, es kann sehr wohl sein, dass j-edesmal zur Erzeugung des normalen Ehythmus die Intervention der Ganglienzellen in Ans])ruch genommen wird, wofür die Thatsache spricht, dass die Leitung der Erregung vom Vor- hof zum Ventrikel die zehnfache Zeit in Anspruch nimmt, als es für Muskelleitung nothwendig wäre (Engelmann, Marchand). So be-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21206727_0064.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)