Die Trichinen : nach Versuchen im Auftrage des Grossherzoglich Badischen Handels-Ministeriums ausgeführt am Zoologischen Institute in Heidelberg / von Christ. Jos. Fuchs und H. Alex. Pagenstecher ; dargestellt von H. Alex. Pagenstecher.
- Alexander Pagenstecher
- Date:
- 1865
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Credit: Die Trichinen : nach Versuchen im Auftrage des Grossherzoglich Badischen Handels-Ministeriums ausgeführt am Zoologischen Institute in Heidelberg / von Christ. Jos. Fuchs und H. Alex. Pagenstecher ; dargestellt von H. Alex. Pagenstecher. Source: Wellcome Collection.
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![beobachtet wurde. Ein Männchen maass nur 1,1 mm. , ein anderes weniger als l mm. an Länge, dennoch war ihr ras deferens zur Samenblase erweitert. Das letzte Exemplar von Hypudaeus arralis wurde neunzehn Tage nach der Fütterung getödtet. Es war bis zum letzten Augenblicke ganz munter gewesen. Die Muskeln zeigten sich bereits stark von Trichinen durchsetzt, deren kleinste mit 0,13 mm., die grössten mit 0,6 mm. Länge gemessen wur- den. In letztem war die Geschlechtsdifferenz vollkommen deutlich, auch waren sie bereits ein oder mehrere Male umgebogen oder gerollt, die Kapsel war jedoch noch nicht gegen die meist weithin durchgängigen Muskelschläuche ab- gesondert. Die Erweiterungen der Muskelschläuche waren lang gestreckt, be- trugen aber mit etwa 0,08 mm. an der weitesten Stelle kaum das Dreifache der normalen Fibrillendicke. So erschienen die grossem Würmer sehr beengt, sie hatten kaum Raum sich aufzurollen. Das Wohnthier war nach der geringen Grösse und grauen Färbung ein junges Thier vom laufenden Jahre. Vielleicht ist es daraus zu erklären, dass hier in ähnlicher Weise, wie wir das später beim Kalbe beschreiben werden, die Muskelaffection wenig charakteristisch war. Die frischerkrankten Muskelfibrillen erschienen kaum dunkler, die ver- mehrten Kerne waren weicher, weniger scharf contourirt als sonst, die aus dem Zerfall der Substanz resultirenden Molecüle wenig dunkel und sparsam. Sehr früh trat das blasse Ansehn der Fibrille aus Schwund des Inhalts ein. Dann klebten an der Innenwand des Schlauchs kleine runde oder längliche Körnchen- haufen an und zeichneten durch ein punctirtes Ansehn die Anschwellungen aus, in welchen reifere Trichinen sassen. Weithin konnten die hell gewor- denen hohlen Schläuche verfolgt werden. Im Herzen fanden sich keine Tri- chinen. Im untern Theile des Dünndarms wurde ein Weibchen von 2 mm. mit viel Brut, sowie ein Mätmchen von 1 mm. Länge, noch mit ausgedehnter, gefüllter Samenblase gefunden. Im Blinddärme und Dickdarme wurden keine Trichinen nachgewiesen. Es sind demnach hier die Darmtrichinen, ohne Er- scheinungen von Darmerkrankung, verhältnissmässig früh nahezu verschwunden und würde das Thierchen vermuthlich die Affection überstanden haben. Beim Hasen, (Lepus timidus) gelang es nur, das Leben so lange zu erhalten, bis die Darmtrichinen anfingen, ihre Brut in den Darm abzusetzen. Es wurde das hier schon nach kaum fünf Tagen beobachtet. Die Gegen- wart der zahlreichen Darmtrichinen begann etwa drei Zoll unter dem Magen im Dünndarm; sie wurden durch eine Strecke von fast drei und einem halben Fuss in allen Proben nachgewiesen, fehlten aber im letzten Ende des Dünn- darms, dem Blinddarm und dem Dickdarm, soweit der massige Inhalt unter- sucht werden konnte. In ]betreff der Muskeltrichinen wird sich bei der grossen Uebereinstimmung anderer, viel mehr wählerischer Helminthen der Hase gewiss dem Kaninchen gleich verhalten. Zwei Meerschweinchen (Cavia cobaja) bekamen wenige Tage nach der in zwei Malen gegebenen Fütterung sehr heftige Krankheitserscheinungen: Diarrhöe, Mangel an Fresslust, triefende, trübe, kleine Augen, kalte Füsse und Ohren, lahme, unsichere Bewegungen. Zuletzt lagen sie auf der Seite, den Kopf in das Heu eingegraben, waren in den Füssen ganz gelähmt, schrieen bei Berührung und hatten raschen pfeifenden Athem. Das erste, ein sehr starkes Männchen, starb neun Tage, das andere, etwas schwächer, acht Tage nach der Fütterung. Bei sehr zahlreichen Darmtrichinen zeigten sich Embryo-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22326832_0080.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


