Die Trichinen : nach Versuchen im Auftrage des Grossherzoglich Badischen Handels-Ministeriums ausgeführt am Zoologischen Institute in Heidelberg / von Christ. Jos. Fuchs und H. Alex. Pagenstecher ; dargestellt von H. Alex. Pagenstecher.
- Alexander Pagenstecher
- Date:
- 1865
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Credit: Die Trichinen : nach Versuchen im Auftrage des Grossherzoglich Badischen Handels-Ministeriums ausgeführt am Zoologischen Institute in Heidelberg / von Christ. Jos. Fuchs und H. Alex. Pagenstecher ; dargestellt von H. Alex. Pagenstecher. Source: Wellcome Collection.
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![aus den verdauten Kapseln ausfallen, wie rasch sie wachsen, wie bald sie sich begatten. Es wurden damit die Lücken unserer Beobachtungen an Kaninchen, welche nie vor zwei Tagen erlegen waren, in passender Weise ausgefüllt. Es ergab sich, dass schon nach zwei und vier Stunden ein Theil der Trichinen aus den Kapseln gelöst war, und dass sich nach vier Stunden schon junge ])armtrichinen im Dünndarm befanden. Nach vierundzwanzig Stun- den hatten die Weibchen erst 1,05 mm., die Männchen 0,83 mm. Länge, die Thiere zeigten sich zur Begattung bereit. Nach drei Tagen wurden die Weib- chen schon 1,5 mm. lang gefunden, die Begattung hatte vielfach stattgefunden, die Geschlechter lagen in dichten Knäueln verwirrt und Eier waren im Uterus der Weibchen in Menge zu erkennen. Unterdessen waren aber die Würmchen stark im Darme herabgedrängt. Erst noch zahlreich im untern Ende des Dünndarms gelangen sie nun in den Dickdarm, die kleinen Blinddärme, die Cloake. Sie vermögen sich nicht zu halten, ihre Zahl vermindert sich rasch, während die übrigbleibenden, wenn weiblich, stark mit Eiern gefüllt waren. Nach dem fünften Tage wurden noch einige wenige Individuen, schon nach dem achten Tage nicht eins mehr ge- funden. Die Anwesenheit der Trichinen im Darme ist also auf etwa so viele Tage beschränkt, als sie beim Kaninchen Wochen beträgt. Von einer Aus- wanderung der Embryonen hier wie überall keine Spur. Alle diese Häher waren unterdessen, wenn auch nicht ausschliesslich, doch stark mit Fleisch gefüttert worden. Ihr Darminhalt war oft mit Blutstreife'n durchzogen, der Dickdarminhalt öfters sehr übelriechend und muss es wohl der ungeeigneten Diät zugeschrieben werden, dass vier unter zehn Stück starben, als sie doch keine oder fast keine Darmtrichinen mehr aufzuweisen hatten. Es ist denk- bar, dass bei sorgfältigerer, besonders mehr vegetabilischer Ernährung die Darmtrichinen nicht so rasch verschwunden sein würden. So wurde bei der Haustaube die Anwesenheit der Darmtrichinen nicht allein nach acht, sondern noch nach elf Tagen erwiesen. Schon im ersten Falle enthielten die Weibchen Brut, welche zum Auskriechen bereit war. Die meisten Trichinen fanden sich etwas unter der Mitte des Dünndarms, weiter unten sparsamer, keine im Dickdarm und den Blinddärmen. Anch im zweiten Falle waren sie auf eine Stelle etwas über dem untern Drittlieil beschränkt, die Weibchen knapp 2,5 mm. lang, die Männchen sparsamer mit gespreizten Haken und entleerter Samenblase. In hohem Grade auffallend war die ausser- ordentlich geringe Menge von Brut, welche einzelne Weibchen enthielten, während andere mit Eiern und Jungen wie gewöhnlich sehr gefüllt waren. Eine Gans wurde viermal mit trichinigem Fleische gefüttert und fünf, elf, siebzehn und achtundzwanzig Tage nach den betreffenden Terminen ge- tödtet. Die Trichinen des Fleisches aus den beiden letzten Fütterungen, von Katze Nr. 28 und Kaninchen Nr. 20a, waren jedenfalls vollkommen geeignet zur Infection gewesen. Im Dickdarme fand sich ein Männchen, im Dünndarm etwa zehn Männchen, wovon jedoch mehrere halb verdaut, was, da das Thier sofort nach dem Schlachten untersucht wurde, nicht eine nach dem Tode ein- tretende Veränderung sein konnte. Weibchen fanden sich in zahlreichen Pro- ben des Darminhalts nur zwei von noch nicht 1,5 mm. Länge. In einem Theil der Uterineier lagen schon bis zur spiraligen Aufrollung entwickelte Junge, in dem zweiten Fall waren im Uterus schon freie Embryonen von fast 10*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22326832_0083.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


