Handbuch der chirurgischen Technik bei Operationen und Verbänden.
- Albert Mosetig
- Date:
- 1887
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![auch die küiistlicli erzeugte die (Jumponente eines dreifachen tem- porären Verlustes jjhysiolo^'isclier ]jel)ensthätig'keiten, und zwar jener des Jk-Avusstseins, der Kiii])tiii(luiig- und des willküi-liclicu J^ewegungs- veruiögens. Das Lehen während der Narcose ist (U^ninach nui auf die Erhaltung der unwillkürlichen Küi'pertliätigkeiten redncirt, als deren cardinalste Athniung und Kreislauf gelten. J^eginnen in der Narcose auch diese zu stocken, so tritt ernste Lehensgefahr ein; erlahmen sie vollends, der Tod. Die Narcose ist demzufolge keineswegs eine ganz ungefährliche Procedur: und wenn es auch statistis(di nacligew^iesen ist. dass bei- läulig unter etwa 10.000 Narcosen nur ein einzige]- Todesfall unter- läuft, so muss dennoch ihre Anwendung stets wohl ü])e]'legt und ihre Ausführung nur unter dem Schutze aller Cautelen vorgenommen werden. Das Narcotisiren sollte immer von Jemandem in's AV'erk gesetzt werden, der sich auf diesem Grebiete schon einen gewissen Grad von Erfahrung gesammelt hat und unentwegt seine ganze, volle Aufmerk- samkeit vorzugSAveise auf drei Momente richtet: auf den Gang der Athmung, auf das Verhalten des Pulses und auf die präcise Bestim- mung des Augenblickes, wann der gewünschte Grad der Narcose eingetreten ist. Nicht immer ist aber die Beseitigung der Schmerz- empfindung ihr Hauptzweck, manchmal ist es vielmehr die Muskel- erschlalfung, deren mau hauptsächlich bedarf, und so lassen sich denn zwei Hauptindicationen für die Narcose aufstellen: I. Man narcotisirt, wenn die vorzunehmende Operation voraus- sichtlich lange w^ährt, schmerzreich ist und die Localanästhesie ent- w^eder nicht anwendbar, oder nicht ausreichend wäre. II. Wenn die Muskelspanuung dem Gelingen eines operativen Actes unüberwindliche Hindernisse entgegensetzt, oder die Feststellung der Diagnose erschwert. Die Narcose kennt aber auch Contra-Indicationen, und zwar absolute, temporäre und relative. 1. Absolute: a) Erkrankungen im Eespirationss3'stenie oder Ad- nexen, welche die Athmung w^esentlich behindern; h) bedeutende Störungen im Kreislaufe durch hochgradige Gefässerkrankungen, Klappenfehler, und insbesondere bei Herzverfettung; c) i)athologische Veränderungen im (Jentralnervensysteme; d) Operationen, welche eine bewiisste Mitwirkung des Kranken erfordern. 2. Als temporäre Gegenanzeigen gelten: a) Hochgratlige Anämie, namentlich wenn acut, d. h. durch grossen Blutverlust hervorgerufen; h) tiefer Shok in beiden seiner Formen ;.rj die Zeit unmittelbar mich reich- licher Nahrungseinnahnie oder heftiger plötzlicher Gemüthsbewegung. 3. Relative ('onti-aindicationen können sein: a) Mangel an noth- wendiger Assistenz: ein vorsichtiger Arzt wird nie allein nai-cotisiren. })) Blutige operative Eingi'ilfe innei'halb der Nasen- und ^Mundhöhle, des Kacliens und des Schlundes, wenn nicht durch andei'weitige Voi'- kehrungen die Möglichkeit des Eindringens von Blut in die Luftw^eg-e beseitigt worden ist. Da nämlich während der Narcose die Schleim- haut des Kehlkopfes ihre Empfiiulliclikeit vollends verliert, so wird das eventuell hineinfliessende Blut nicht die Beflexbewegung des Hustens auslösen und folglich nicht expectorirt, vielmehr gidangt es unl)i'hindert in die Verästelungen der LuftAvege. gerinnt nlldoi't und](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21212508_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)