Handbuch der chirurgischen Technik bei Operationen und Verbänden.
- Albert Mosetig
- Date:
- 1887
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![A^erlegt die, Zngän^liclikeit für die .itmospliärisi'lic Luft. Das Alter des Patienten ist au und für sielr nicht von wesentiiclicni Jielanf^-e; dass l)('i Ivleinen Kindern und luunentlieli l)ei (^Ireiseu grössere Vorsieht eiu- zulialteu sei, ist wolil selbstverstäudlieli. Zur HeiTorrufuug der Narcose bedient man sich flüchtiger Stoffe — Anästhetica — wehdie zur Action gelangen, wenn ihre Dämpfe eingeathmet werden. Gross ist ihre Zahl, allein in der Praxis haben sich nicht alle bewährt, so dass gegenwärtig beiläufig nur vier in G^dtung geblieben sind. Sie heissen: Chloroform, Schwefeläther, Methylen- bichlorid und Stickstoffoxydul. Jahrzehntelang hat sich dei' Streit (l;iruber ges])onnen, ob unter den zwei erstgenannten und erstentdeckten An- ästheticis dem Chloroform oder dem Schwefeläther die Palme des Vor- zugs gebühre. Gegenwärtig wird sie wohl allgemein dem Chloroform zugestanden; ich sage allgemein, denn wenn noch heute einzelne (Chirurgen den Schwefeläther vorziehen oder mit Mischungen beider narcotisiren, so sind und bleiben es immer Ausnahmen; die grosse Mehrzahl bedient sich des Chloroforms einzig und allein, weil dessen Applicationsweise einfacher ist, dessen Wirkung sicherer und für den Patienten angenehmer sich gestaltet, und endlich bezüglich der Gefähr- lichkeit beide Mittel so ziemlich die gleiche Rangstufe einhalten. Es möge demnach die Chloroformnarcose, als Typus der Narcose über- haupt, zunächst eingehendere Würdigung finden. Chloroformnarcose. Das Chloroform ist das wenigst flüchtige unter allen Anästheticis und bedarf es zu seiner Anwendung keiner be- sonderen Apparate und Vorrichtungen. Ein viereckig zusammengelegtes Sacktuch, eine gewöhnliche Compresse genügen vollkommen als Träger des Mittels; ebenso eine beiderseits offene Papierdüte, in Avelche ein Stückchen Badeschwamm gesteckt wii^d. Bedient man sich eines Sack- tuches als Chloroformträger, so faltet man es zuvörderst in der Mitte zeltdachartig zusammen und fasst das eine Ende der Faltung mit zwei Fingern; das andere Ende wird offen gelassen. In die Höhlung des Tuches schüttet man etwa einen Kaffeelöffel voll Chloroform, welches sich sofort in den Stoff einsaugt. Das so befeuchtete Tuqh hält man dann dem Kranken so über Nase und Mund, dass diese beiden Körper- öftiiungen in die Höhlung hineinragen, ohne jedoch die Tuchfläche zu berühren. Es legen sich dabei die Seitenränder des Tuches den Wangen an, während es unten, dachgiebeiförmig offen, Mund und Kinn über- wölbt. Ist die aufgeschüttete Menge Chloroform ganz verdunstet und das Tuch trocken geworden, so begiesst mau es neuerdings und föhrt also fort. Man achte sorgfältig darauf, dass das mit Chloroform durch- nässte Tuch nicht irgendwo mit der Haut des Gesichtes in Berührung komme. Die Folge Aväre zunächst ein starkes Brennen, später eine oberflächliche Entzündung der Haut, welche meist erst nach 2 bis 3 Tagen unter leichter Abschilferung schwindet. Zur Vermeidung dieser, für den Kranken oft sehr lästigen HautaÖection wurde seinerzeit die Düte mit dem Sclnvammstücke als Chloroformträger eingeführt. Tuch und Düte finden gegenwärtig nur mehr als Nothbehelfe Verwendung. 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21212508_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)