Handbuch der chirurgischen Technik bei Operationen und Verbänden.
- Albert Mosetig
- Date:
- 1887
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![Beide sind dem Kranken unangenehm und können oft dadurch gefähr- lich Averden, dass sie ihm zu viel Chloroformdämpfe auf einmal zuführen. Zur Narcose ist ein Gemenge von Chluroformdäiiipfen und atmuspliärischer Luft notliwendig, dessen procentaiisclies Verliältniss gewisse Llrenzen einhalten muss. P. Bert l)estimmte das \'eiliältniss 8 bis 20 Chloroform auf lUU Luft als äusserste ]\rengungswerthe. Unter 8 Procent trat keine Narcose ein, über 20 Procent letaler Aus- gang—^wenigstens bei Thiereu. Es ist klar, dass ein gewisses (Quantum atmosphärischer Luft nothweudig sei, um das Leljen während der Narcose zu fristen, denn da das Chloroform zu den ii'iespii-alen (jasen gehört, so müsste, wenn nur ein ungenügendes (Quantum Luft gleich- zeitig in die Lungen eindi-änge, zunä(-hst behindeite Atlimung sich einstellen unter den Erscheinungen der Asphyxie. Dass aber bei der Anwendung von Tüchern oder Düten, durch ungeschicktes Vorhalten der ersteren, durch unpassende Construction der letzteren (namentlich Enge der Ausmündung, wodurch der freie Zutritt der Luft gehindert wird), oder endlich durch allzugrosse jeweilige Dosen, eventuell durch zu rasch wiederholte Galjen ^'on Chloroform es leicht zu asph3'ctischen Erscheinungen kommen könne, unterliegt wohl keinem Zweifel. Des- halb sind mehr minder complicii'te Apparate ersonnen worden, welche den Zweck haben sollten: die richtige Mischung von Chloroformdämpfen und atmosphärischer Luft, höchstens etwa 8 bis 10 Procent, schon im Vorhinein zu bereiten und sonach jedes unvorsichtige Gebahren zu paral3^siren. P. Bert empfiehlt ein Verhältniss von 8 Clüoroform auf 100 Luft. Neudörfer räth in neuester Zeit, die atmosphärische Luft durch reinen Sauerstolf zu substituiren und dementsprechend dem Kranken ein Gemisch von Chloroform dämpfen und Sauerstoff, im Ver- hältnisse 10: 100, einathmen zu lassen. Zu diesem Zwecke wird .Sauer- stoff im Limousin'^clikiw Apparate ans chloi'saurem Kali und Braunstein entwickelt und in Eindsblasen oder in Kautschuksäcke gefüllt. Mittelst einer Pipette wird sodann Chloroform in entsprechender, früher ab- gemessener Menge in die mit Sauerstoffgas gefüllte Blase gebracht, allwo es rasch verdunstet und seine Dämpfe sich mit dem Sauerstoff' mengen. Zur Einathmung dient eine Maske mit Doppelventilen, von denen das eine nach aussen zu sich öffnet, um die ausgeathmete Luft abzuleiten, während das zweite das Gasgemisch zur Maske leitet. Neudörfer rühmt seiner Methode nach, dass sie nie Asphj'xie veran- lasse, dass die Narcose rasch eintrete und während ihrer Dauer die Gesichtszüge der Narcotisirten fiisch bleiben und sich gar nicht ver- ändern. Es mag wolil sein, dass derlei Methoden für einzelne Fälle recht gute Dienste leisten; allgemeine Anwendung dürften sie trotzdem kaum zu erhoffen haben wegen der Complicirtheit ihrer Technik. Die Chirurgen geben stets jenen Verfahren den wolil gerechtfertigten Vor- zug, welche sich bei gleichem Endresultate durch grössere Einfachheit auszeichnen, weil einfache Mittel leichter zu beschaffen sind als eigene Apparate, und deshalb haben alle derlei recht zahlreiche Vorschläge und Erfindungen noch nicht die äusserst einfache Administriruug des Chlorofurms vermittelst der sogenannten Tricotkörbe zu verdrängen Vermocht. Diese Körbe stellen einfache Drahtgehäuse vor, welche mit](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21212508_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)