Handbuch der chirurgischen Technik bei Operationen und Verbänden.
- Albert Mosetig
- Date:
- 1887
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![Actioii ZU liiiugi'iideu faiadisclieu Stromes. Die Yenvcndinif? aller dieser lustrumeute uud Apparate wird bei der Besprecliimg- des Gaufres der Narcose klar werden; zuvor eiachte ich es aber für uotliwcudifr. einige sehr wiclitige Details zu erwähnen, weh-lie die Vorbereitung des Kranken zur Narcose Ijetrett'en, und die Stellung oder Lage, welche man den zu Nareotisirenden geben soll. Dass mau den Kranken, ich möchte sagen, moralisch vorbereiten soll, ist (ine alte Kegel. Man muss ihm dieKothweudigkeit derPiocedur klar machen und ihm dazu Muth sprechen; es ist sehr zu wider- rathen, den Kranken mit der Narcose zu überraschen, es sei denn, dass es sich um Kinder handle. Bei Erwachsenen, die man plötzlich und mit Gewalt zur Narcose zwang, sind schon schlimme Ereignisse unterlaufen: asphyctischeErscheinungen oder gar ein plötzlicher letaler Ausgaug, ,.gleichsam wie vom Blitze getroffen. AVenn die Patienten sehr aufgeregt sind, es sich namentlich um voraussichtlich länger dauernde Narcosen handelt, vorzugsweise aber bei Alkoholikern empfiehlt es sich: dem Beginne der Narcose eine hypodermatische Einverleibung von O'Ol bis 0-02 Morphium vorauszuschicken. Diese von Ci Bernard uud V. Nussbaum vorgeschlagene Kombination der Chloroform- mit der Morphiumwirkuug hat sich bisher bestens ])ewährt. Sie hat die Vor- züge: «^ Den erethischen Zustand abzuschwächen; h) den Eintritt der Narcose durch Verringerung des Erregungsstadiums zu beschleunigen; c) ihre Dauer zu verlängern; d) eine kleinere Dosis von Chloroform nothwendig zu machen. Weniger bewährt hat sich der Vorschlag von Fomef, den zu Chloroformireuden vorerst durch innerliche Verabreichung von Chlural in Schlaf zu versetzen. Die Narcose wurde dadurch in oft bedenk- lichem Masse gesteigert und verlängert. Ebensowenig konnte man sich mit der Idee Schaefers befreunden: vor der Narcose eine Atropin- injection zu machen, angeblich um den eventuellen reflectorischen Herzstillstand zu verhüten. Entschieden muss davor gewarnt werden, einen Kranken kurze Zeit nachdem er Nahrung zu sich genommen, nai'cotisiren zu wollen. Ein voller Magen wird durch Chloroform unaus- w^eichlich zum Brechacte angeregt, und wenn der halb- oder unbeAvusste Kranke erbricht, so könnte es nur zu leicht geschehen, dass er einen Theil der erbrochenen Massen aspirirt. Man pflegt daher mit Eecht zu verlangen, dass der Patient ganz nüchtern sei. Wohl empfahl liohevtson, vor dem Beginn der Narcose etwas Alcohol in Form von Coguac oder Flaschenwein zu verabreichen, insbesondere bei Alcoho- likern, angeblich w^eil sie dadurch erleichert werde und es weniger oft zum Erbrechen kommen soll; allein befolgt ward meines Wissens nach dieser Vorschlag nicht, ein Bew^eis, dass die Behauptung auf schwachen Füssen stehe. Von grosser Wichtigkeit ist es ferner, dass der Patient Alles beseitige, was die Vornahme oder den Gang der Narcose stören könnte. Er soll die Kleider ablegen, oder mindestens so w^eit öffnen, dass Hals, Brust und Bauch frei zugänglich seien; er lege die Brille ab, falls er eine solche trägt, und entferne etwaige künstliche Zähne und Gebisse. Es ist schon vorgekommen, dass Gebisse Avährend der Narcose, namentlich beim Acte des Mundauf- sperrens und des Herausziehens der Zunge, sich losmachten und als Fremdkörper in den Schlund oder noch weiter abwärts wanderten.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21212508_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)