Handbuch der chirurgischen Technik bei Operationen und Verbänden.
- Albert Mosetig
- Date:
- 1887
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![massig wird es sein, den Kranki'n in ein frisclies Zimmer zu übci-- tragen, eventuell, wenn dies unausfilhrl)ai' wäre, den Raum sofort /u lüften. Kine Modifi(;ation erleidet die Technik des Narcotisirens, wenn die Nareose an einem fi'ülier ti'aclieotomirtHn Individuum vollzog-en werden soll. Alsdann müssen die (']ilorofo]'mdäm])f(' (IuitJi die Tracheal- canule eingeatlimet werden. Man ersetzt in solchem Falle den Korl» dui'ch einen Trichter, dessen Lichtung mit einem schütteren Tricot- stotfe übei'spannt wird, und dessen Rohr mittelst eines Gummischlauches mit der Mündung der Trachealcanule mciglichst luftdicht verbunden wird. Selbstverständlich niüssten dabei die oberen Luftwege sorgsam obtui'irt werden, auf dass der Luftstrom nur einzig und allein dui-cli die Canule ziehe. Wie dies zu geschehen habe, wird ausfülirlicher ge- schildert werden, wenn von der Tamponade der Luftwege seinerzeit die Rede sein wird. II. Aetherisation durch das rectum. Es wurde schon früher betont, dass die Nareose vermittelst Einathmung von Schwefeläther heutzu- tage ganz obsolet geworden sei, weil der Aetlier bei gleicher Gefähr- lichkeit wie das Chloroform viel umständlicher in der Anwendung und viel unangenehmer für den Kranken ist. Jüngst wurde nun durch MoUiere eine Variante der Aetherisation wieder auf den Boden der Tagesliteratur gebracht, welche schon 1847 von Pirogoff erdacht, beschrieben und angewendet, bald aber wieder verlassen worden war. Diese Variante besteht einfach darin, dass man Aetherdämpfe via recti in den Darmcanal leitet, von wo aus sie dann durch die Darm- schleimhaut in den Kreislauf gelangen. Es handelt sich demnach um einen Ersatz der Lungen durch den Darmcanal, oder mit einem Worte: um eine Anal- statt der Oralnarcose. Würde sich diese Art Nareose bewähren, so könnte man von ihr in allen jenen Fällen Vortheil ziehen, wenn ein Freibleiben des Gesichtes erwünscht Avird oder Reiz- zustände der Bronchien vorhanden sind. Das, insbesonders für scham- hafte Frauen, Unangenehme und Peinliche des locus applicationis würde in dem Fehlen des Erstickungsgefühles und der sonstigen Beschwerden, welche die Eiimthmung der Dämpfe mehr weniger mit sich führen, vollends compensirt sein, allein die Methode hat sich nicht so bewährt, wie MoUiere wohl gedacht und erhofft haben mag. Deshalb hat auch schon Pirogoff die Rectalmethode als Nareose bald aufgegeben und sie nur noch hie und da als krampfstillendes Mittel in Anwen- dung gebracht. Die Technik der Rectalnarcose ist eintJudi genug. Nachdem der Darmcanal durch Purgantien und Eingüsse gehörig ent- leert wurde, bringt man in den Mastdarm ein etwa kleintingerdickes, nicht zu langes Kautschukrohr, dessen freies Ende mit einer Flasche verbunden wird, deren dosirter Inhalt eben Schwefeläther ist. Taucht man die Flasche in ein 50grädiges Wasserbad, so verdampft der Aetlier i-asoh und gelangt in den Darmcanal. Auf diese Weise dringen die concentrirten Aetherdämpfe ein; möchte man sich nebstdem noch eines Gebläses bedienen, ähnlich wie beim Junker ^c\\q\\ Apparate, so würde](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21212508_0029.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)