Rhinoplastik; oder, Die Kunst den Verlust der Nase organisch zu ersetzen, in ihren früheren Verhältnissen ersorscht und durch neue Verfahrungsweisen zur höheren Vollkommenheit gefördert.
- Graefe, Carl Ferdinand, von, 1787-1840.
- Date:
- 1818
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Credit: Rhinoplastik; oder, Die Kunst den Verlust der Nase organisch zu ersetzen, in ihren früheren Verhältnissen ersorscht und durch neue Verfahrungsweisen zur höheren Vollkommenheit gefördert. Source: Wellcome Collection.
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![ander gefügt sind. — Ganz ähnlich wird ferner die Adhäsion auch durch Nachblu- tungen gestört, die als Folge übereilter oder nachläfsiger Blutstillung sogar eine schon begonnene organische Einigung wieder aufheben können, wenn sie das neu ergossene Blut in Masse zwischen die vereinten Wandflächen drängen. — Als Zwischenlagen sind aufserdem noch nachtheilig, alle aufgestreuten stiptischen Pulver, Staub, feiner Sand der mit unsaubern Waschschwämmen oder mit unreinem Wasser auf die Wundflächen gebracht wird *), übergelegte Heftpflaster, die fest angezogen entlang der Heftung stellenweise mit ihren Seitenrändern zwischen die vereinten Wundlefzen dringen, unzweckmäfsig angebrachte Näthe, die sich mit ih- ren Knoten, mit ihren Fadenenden oder Befestigungswerkzeugen zwischen die Wund- lefzen eindrängen. Ist die Heftung vorschriftsmafsig vollzogen, so sorgen wir dafür_, dafs der an- gelegte Hautlappen gegen alle äufsern Einflüfse sicher geschützt, und dafs seine kräftige Vegetation auf keine Weise beschränkt werde. Der Zutritt der Luft bringt vorzüglich in den Wunden-Flächen krankhafte, oft sehr nachtheilige Reizungen hervor uud die Ableitung der thicrischen W^ärme durch fortgesetzte Einwirkung einer zu kühlen Atmosphäre kann die Vegetationskraft bis zum Erlöschen verringern. Beides aucht man durch Anlegung zweckmäfsiger Verbände zu hindern, vermöge welcher wir den neu geschaffenen Theil allseitig auf das genaueste umschliefsen. Endlich gehören zu den Vorschriften die wir bei jeder beabsichtigten Adhä- sion, so auch bei der Ueberpflanzung thierischer Theile zu berücksichtigen haben, die Bestimmungen, nach welchen der Stand der Vitalität in den einander gegenüber gelegten Wundflächen zu leiten ist. Nur mit gegenseitig entwickelter mäfsig synochöser Ent- zündung, folgt, wie schon erwähnt, die für die organische Bindung nöthige Meta- morphose der ausgeschiedenen Lymphe. Wird die Entzündung, was indefs sehr selten von Seiten des übergepflanzlen Theils zu erwarten steht, in zu hohem Grade synochös, so müssen wir die Thätigkeit durch allgemeine Blutentziehungen und durch antiphlogistische Arzeneyen mindern, damit keine Erschöpfungen der Vitalität durch Selbstaufreibung erfolgen. Nimmt die Entzündung mehr einen eretischen Character an, so suchen wir die über alle Mafsen vortretende Sensibilität durch örtliche , wie durch allgemein besänftigende, die Nerventhätigkeit beschränkende Mittel zu ver- ringern. Wird der Vegetationsprozefs torpide, so müssen wir höhere Lebendigkeit durch stärkende und reitzende Mittel dem ganzen Organismus, wie dem verwun- deten Theile selbst zu geben suchen a). *) Grade's Normen für die Ablösung gröfserer Gliedmafsen p. 33. s) Eine ausführlichere Entwicklung der Prinzipe, naf.li welchen wir die Leitung des Vitalitätsstarides in allen den Wundflächen, die durch adhäsive Entzündung geeiniget werden sollen, bewirken, habe ich bereits anderweitig detaillirt mitgetheilt, vid, Graefe's Normen fui die Ablösung gros- serer Gliedmafsen p, 33. 36, ]5 u, 8o,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21022586_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)