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Credit: Geschichte der Medizin / Max Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![Dauer einverleibt, wie z. B. das schmerzstillende Antidot des Philon von Tarsos, das Opium enthaltende „Philonium oder der „Theriak des neronischen Leibarztes Andromachos, ein aus mehr als 60 Stoffen zusammengesetztes Universalgegengift, welches in mannigfachen Modi- fikationen bis an die Schwelle der Neuzeit seinen Platz behauptete. Abgesehen von der im Auftrage des Pompejus vorgenommenen Uebersetzung der „Gedenkblätter des Mithradates durch Lenaeus und den Schriften der römischen Dilettanten: Publius Nigidius Pigulus (Operum reliquiae ed. Swo- boda, Wien 1889), Aemilius Macer (Gedichte über Gifte und Heilkräuter, The- riaka nach dem Muster des Nikandros), 0. Valgius Rufus (eine unvollendete Heil- mittellehre, welche mit einer Vorrede an Augustus begann, worin derselbe um seinen Schutz gegen alle Leiden der Menschheit angegangen wurde) wären aus der pharmakologischen Literatur namentlich folgende Autoren hervorzuheben: Antonius Musa, der Leibarzt des Augustus. Von ihm finden sich Rezepte bei Späteren; hingegen rühren die beiden unter seinem Namen laufenden Schriften De herba betonica und De bona valetudine — zusammen herausgegeben von Florian, Caldani, Bassano 1800 — nicht von ihm her), Maenius Rufus (zur Zeit des Celsus, komponierte ein beliebtes Purgans), Philon von Tarsos (bei Celsus ist sein KoUyrium erwähnt), die beiden Römer Julius (oder Tullius) Bassus und Sextius Niger (dessen vorzügliches Werk über Materia medica, itspl oX*/]?, von Plinius hauptsächlich benützt wurde), Petronios Diodotos, Nikeratos (seine Schriften handelten unter anderem auch über die im Wasser lebenden, als Heilmittel dienenden Geschöpfe), Tiberius Claudius Quirina Menekrates aus Zeophleta (ver- faßte neben sehr vielen anderen Schriften ein dem Claudius gewidmetes Buch über Heilmittel, worin die Gewichtsbestimmungen in Worten angegeben waren, um Verwechslungen vorzubeugen — betitelt ahxoY.päxuip öXoYpa[JL[iatO(; 8c|ioXoy>v tpapixa- xtov); sein Emplastrum diachylon, Bleiglättenpflaster mit Kräuterauszügen, hat sich, wenigstens dem Namen nach, bis heute erhalten; Xenokrates von Aphrodisias (schrieb über die Materia medica und über animalische Nahrung Ttepl eTj? 3tit6 xöjv Ctuwv Tpotp-f]?, wovon der Abschnitt über eßbare Wassertiere [k. X. änö IvuSpwv TpotpYj;] noch vorhanden, vergl. Ideler, Physici et medici gi-aeci minores, Lips. 1841, I, 121 ff.); neben manchen rationellen Rezepten hat er ganz besonders dazu beigetragen, den Glauben an die Wahrsagekunst, an Geheim- mittel und an die wunderbare Heilkraft tierischer Stoffe zu verbreiten; so kamen in seinem Arzneischatz vor: Teile des Nilpferdes und Elefanten, Fleder- mausblut, femer Teile des menschlichen Körpers, wie Fleisch, Gehirn, Leber, Knochen, Blut, Schweiß, Ohrenschmalz, Sperma, Harn und Fäces (zum Ein- reiben von Mund und Hals), H e r a s aus Kappadokien (schrieb ein Werk über Heil- mittel vap6-7ii = Arzneikasten). Andromachos der Aeltere aus Kreta, berühmt durch seine Modifikation des Mithridations (Zusatz von Vipernfleisch), den Theriak, ^Y]ptaxY) ol syioväiv -1] xaXoufXEvr] Y«X-f]v*f] = Windstille, in 174 elegischen Distichen be- schrieben (Bussemaker, Poetarum de re physica et medica reliquiae, Paris 1851). Der Theriak genoß im späteren Altertum und Mittelalter nicht nur als Antidot im engeren Sinne, sondern auch als Mittel gegen Infektionskrankheiten das höchste Ansehen. Noch im 18. Jahrhundert wurde er unter allerhand Zeremonien bereitet. Sein Sohn Andro- machos der Jüngere (von dem noch viele Rezepte überliefert sind, veröffentlichte Schriften über Heilmittel gegen innere, äußere und Augenkrankheiten); der Zeit- genosse des älteren Andromachos, Servilius Damokrates, ein zu seiner Zeit hoch berühmter, aber für komplizierte Rezepte allzu sehr eingenommener Arzt, von](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21352471_0001_0337.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


