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Credit: Geschichte der Medizin / Max Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![zwar von den vier Elemeutarqualitäten abhängig macht, aber ohne auf die Spitzfindig- keiten der Dogmatiker einzugehen und die Krankheiten nur in der Minderzahl mit bestimmten Namen bezeichnet. Dioskurides veröffentlichte sein Werk vor dem Er- scheinen der Naturgeschichte des Plinius; zwischen beiden findet sich manche Ueber- einstimmung, weil Plinius sich auf Sextius Niger stützte und dieser aus der, von Dioskurides alsjHauptquelle herangezogenen, Schrift des Rhizotomen Krateuas schöpfte. Außer Krateuas ist auch der Herophileer Andreas als wichtigster Vor- läufer zu betrachten, die ausgezeichnete Pflanzengeschichte des Theoph rastos scheint der Anazarbeer dagegen sehr zum Nachteil des botanischen Teiles seiner Arznei- mittellehre nicht gekannt zu haben. Die Reisen als Militärarzt hat Dioskurides nach eigener Versicherung zur Beobachtung lebender Pflanzen und anderer Heilmittel fleißig benützt, jedoch spricht er nur an einer Stelle von einer eigenen Beobachtung in den vestinischen Bergen (Abruzzen). Die Schrift icepl uXtji; catptv.vj? hat folgenden Inhalt: Vorrede, worin er über die bisherige Bearbeitung des Gegenstands spricht, deren Fehler auseinandersetzt und seinen Plan skizziert; 1. Buch: von den Gewürzen, Oelen, Salben, Bäumen, sowie von den davon herstammenden Säften, Harzen und Früchten; 2. Buch: über die Tiere, Honig, Älilch, Fett, von den Getreidearten, Gemüsen und scharfen Kräutern; 3. und 4. Buch: von den Wurzeln, Pflanzensäften, Kräutern und Samen; 5. Buch: vom Weinstock, den Weinen und Mineralien. — Im ganzen sind etwa 600 Pflanzen behandelt. Dioskurides ordnete den Stoff nicht, wie die Vorgänger, alphabetisch, sondern er stellte die Pflanzen nach den äußeren Merkmalen oder nach der Wirkungsart zusammen. Um die Identifizierung der Gewächse hat sich die Forschung schon im Altertum, dann namentlich seit der Renaissance bemüht, in neuerer Zeit ist die Bestimmung der von D. beschriebenen Pflanzen unter anderem von Toume- fort, Sibthorp, Koch, K. Sprengel, C. Fraas unternommen worden. — Von reicher praktischer Erfahrung zeugen die Anweisungen zur Prüfung der Drogen (auf Echt- heit und Güte), zur Bereitung der zusammengesetzten Mittel (Beschreibung des Ver- fahrens und der anzuwendenden Apparate), und sorgfältig werden die Gewichte und Mengen, besonders der stark wirkenden Arzneisubstanzen angegeben. Die Synonyma der Pflanzennamen, welche entweder von Völkern (z. B. den Aegyptern) oder von einzelnen Personen herstammen, sind wenigstens zum Teil eine spätere Hinzufügung. — Die beiden wertvollsten Handschriften des Dioskurides sind der Cod. Constantino- politanus und Neapolitanus, sie befinden sich in der Wiener Hofbibliothek. Der erstere ist eine kostbar ausgestattete, für Julia Anicia, die Tochter des Kaisers Flavius Anicius Olybrius, angefertigte Pergamenthandschrift aus dem Ende des 5. Jahr- hunderts, enthält die Beschreibung der Pflanzen in alphabetischer Reihenfolge (was Dioskurides selbst verpönt hatte !). Neben dem vielfach gekürzten und umgearbeiteten Text besitzt sie Pflanzenabbildungen, die dem illustrierten Krateuas entnommen sind. Von dem Werke des Dioskurides wurden bereits im frühen Mittelalter lateinische Uebersetzungen, bezw. Ueberarbeitungen veranstaltet; unter den Kommentaren (mit lateinischer Uebersetzung) ragt derjenige von Matthiolus, Venet. 1554, hervor; die letzte Ausgabe (griechisch-lateinisch) ist die von C. Sprengel (Leipzig 1829—30). Die deutsche Uebersetzung „Des Pedanios Dioskurides Arzneimittellehre von J. Be- rendes (Stuttgart 1902) ist mit vortrefflichen Erklärungen versehen. — Unter dem Namen des Dioskurides gehen noch mehrere Schriften, von denen die beiden als 6. und 7. Buch dem Hauptwerk hinzugefügten izspi 8v]>.7]Tiripttov (papficixtuv und :tspi loßöXwv y.al nspl Xuoaüivtos xüvoe (beide übersetzt von Berendes, Apothekerzeitung 1905) sicher unterschoben, die zwei Bücher nepl sönoptattüv &n\ü>v zs v.a.i guv&etwv tpapfidxtuv (von den leicht zu beschaffenden einfachen und zusammengesetzten Arzneien) mög- licherweise echt sind.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21352471_0001_0340.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


