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Credit: Geschichte der Medizin / Max Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![liehen Verdauungsprozeß verworfen, für sie gab es nur Verstopfung der Porengänge, bezw. Zerlegung' in Atome.) In der Krankheitslehre sind nicht nur die offenbaren Ursachen ((patvö[ieva), sondern auch die verborgenen, unsichtbaren (ÄSvjXa) zu erforschen. Nach dem Muster der stoischen Doktrin unterschieden die Pneumatiker mit subtilster Haarspalterei in der Aetiologie eine ganze Reihe von Ur- sachen verschiedenen Grades, von denen die wichtigsten Arten folgende waren. AXzia TrpoxaTapxTtxa, das sind die äußeren Gelegenheits- ursachen (z. B. übermäßige Nahrungsaufnahme). Von diesen erst wer- den die alz La. Trpoirj'if ou[j.eva hervorgerufen (z. B. die durch über- mäßigen Genuß von Speisen entstandene Ueberfüllung der Gefäße mit Blut — Plethora). Unter den al'tta oovexttxa verstand man die eigentlichen fortwirkenden Ursachen, von deren Vorhandensein, Zu- nahme, Abnahme, Verschwinden die entsprechenden Stadien der Krank- heit abhängen (z. B. Stein in der Harnblase). Man sonderte ferner im Krankheitsprozeß begrifflich: akia (die wirkende Ursache), Sid^sac? (alles das, was zum Krankheitszustand gehört), vöooc (die Dyskrasie), iz&d-OQ (Funktionsstörung) und ob^nzdi^a (Folgen der verletzten Funktion). Hinsichtlich der Aetiologie ist nachzutragen, daß auch die Methodiker bereits die Krankheitsursachen in ähnlicher Weise einteilten, jedoch die at'nia upoi]You(j.eva. nicht kannten. Die Stoa scheint die Fülle ihrer attta der älteren dogmatischen Schule entlehnt zu haben. Die Diagnostik wurde von der pneumatischen Schule ganz be- sonders dadurch verfeinert, daß sie die von Herophilos begründete, im Lichte des Systems besonders wichtige Pulslehre allerdings mit dialektischer Spitzfindigkeit weiter ausbaute. Ihre Therapie war, ent- sprechend den pathologischen Pi-ämissen, auf die Bekämpfung der Dys- krasien gerichtet, sie bestand demnach darin, übermäßige Wärme durch kühlende Mittel, übermäßige Kälte durch wärmende, übermäßige Feuchtigkeit durch trocknende und übermäßige Trockenheit durch an- feuchtende Mittel zu bekämpfen. Charakteristischerweise wichen die Anhänger der pneumatischen Schule von den Humoralpathologen aber darin ab, daß sie die abnormen Qualitätenverbindungen weit weniger durch Arzneimittel, als durch die diätetisch-physikalischen Behand- lungsarten zu beheben bemüht waren (Einfluß des Methodismus). Gerade hierin leisteten sie ihr Bestes, indem sie in rationellster Weise und mit großer Selbständigkeit die Erfahrungen über Diätetik, Leibesübungen, Bäder, Mineralquellen etc. verwerteten, welche im Corpus Hippocrati- cum vorlagen, bezw. von den älteren Dogmatikern (vergl. z. B. Phiüstion, Mnesitheos, Dieuches, Diokles), sowie den Alexandrinern überliefert wurden und seit dem Auftreten des Asklepiades und der Methodiker das Lieb- lingsgebiet der Therapeuten bildeten.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21352471_0001_0345.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


