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Credit: Geschichte der Medizin / Max Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![Schule mit Recht den Namen der eklektischen, da er sie mit den Empirikern und Methodikern in noch innigeren Zusammenhang bringen wollte. Er behandelte mit ungewöhnlichem Fleiße die Lieblingsthemen seines Lehrers, namentlich die Pulslehre (:rEpl o^oyiiäv), experimentierte an Hunden über die Wirkung der Nieswurz und verwarf zwar nicht ganz den Gebrauch der warmen Bäder, aber wandte mit Vorliebe die kalten an, für deren Anwendung er genaue Regeln festsetzte. Der Gebraucli der kalten Bäder war nach Asklepiadea und An- tonius Musa, besonders durch den Arzt der neronischen Epoche, Charmis aus Massilia, in Aufnahme gekommen und wurde mit fanatischem Eifer von vielen Aerzten und von Laien ver- teidigt. Agathinos empfahl sie auch bei Kindern und injeder Jahreszeit. Zu den hervorragendsten Anhängern des Agathinos gehörten Hero- dotos und Archigenes aus Apameia (in Syrien). Herodotos (gegen Ende des 1. Jahi-hunderts n. Chr.) näherte sich noch mehr, als alle übrigen, dem Methodismus, indem er zwar die Qualitätenmischung zum Ausgangspunkt wählte, auf die Einflüsse des Alters, Greschlechtes und der Jahres- zeiten Bedacht nahm, aber auch die Kommunitäten, die Theorie des Diatritos, die Metasynkrise berücksichtigte, ja sogar in der Terminologie Konzessionen machte. Er war ein großer Freund der „methodischen Heilmethoden, gab Vor- schriften über Wasser-, Sand-, Sonnen-, Oel- und Schwitzbäder, über Massage, Gymnastik, Schröpfen, Venäsektion, Weingenuß u. a. m. Bei der Krankheit unterschied er vier Stadien: ap^-fi, eretSoai?, axfi-}], «Kpay.|j.-fj. Herodotos scheint, nach einem erhaltenen Fragment zu urteilen, die Blattern be- schrieben und die kontagiöse Verbreitungsweise derselben hervorgehoben zu haben. Archigenes lebte zur Zeit des Kaisers Trajan in Rom und vereinigte nach übereinstimmendem Urteil der Zeitgenossen, wie der nachfolgenden Kritiker, alle Vorzüge in sich, die den Ruf der Gelehrsamkeit; und zu- gleich der praktischen Tüchtigkeit bedingen. Seiner Person dankte die Schule vielleicht am meisten die Anerkennung, welche ihr in steigen- dem Maße zu teil ward und, abgesehen von dem Lobe der späteren Autoren, spricht für die Bedeutung dieses ärzthchen Forschers die Tat- sache, daß späterhin der große Galenos vieles aus seinen Schriften ent- nahm und durch dieselben zu ähnlichen wissenschaftlichen Arbeiten an- geregt worden ist. Aeußerst beliebt beim Publikum, namentlich bei der vornehmen Welt, fand Archigenes doch die Muße eine reiche litera- rische Tätigkeit zu entfalten, um in populärer Darstellung, aber auch mit allen Finessen der logischen Distinktion, die Grundlehren der Pneuma- tiker mit den guten Leistungen der empirischen und methodischen Medi- zin in Einklang zu bringen. Außer Briefen mit ärztlichen Ratschlägen verfaßte er Werke über den Puls, über fieberhafte Krankheiten und Fiebertypen, über lokale Alfektionen, Diagnostik und Behandlung akuter](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21352471_0001_0347.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


