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Credit: Geschichte der Medizin / Max Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![theorie) mit starker Hinneigung zur anatomischen Lokalisation (Phrenitis — Gehirn; Manie und Melancholie — Hypochondrien) führte ihn dahin, fast ausschließlich Ader- lässe, Schröplköpfe, Kataplasmen, Bäder, Bitter- und Abführmittel, in der Rekon- valeszenz Thermen, Meersandbäder, Reisen u, s. w. anzuordnen. In die Linie des Eklektizismus mit vorherrschender Berücksichtigung der unbefangenen Krankheitsbeobachtung und des anatomischen Denkens ist auch ein anderer hervorragender Arzt zu stellen, dem lange hinaus die gebührende Anerkennung bewahrt wurde, nämlich Rhuphos aus Ephesos, welcher die Hauptelemente seiner Bildung in Alexandreia erwarb und unter Trajan, also im Beginne des 2. Jahrhunderts, prakti- ziert haben soll. Von seinen zahlreichen Werken sind nur wenige er- halten, doch läßt sich aus dem Torso, sowie aus Zitaten und überlieferten Fragmenten mit Sicherheit erschließen, daß ßhuphos, im Geiste aristote- lischer Philosophie, auf Grund fleißigster Literaturbenützung und eigener Forschung die Anatomie, die Arzneimittellehre und Diätetik, die Dia- gnostik, Pathologie und Therapie sowohl der internen, wie chirurgischen Affektionen sorgfältig bearbeitet und in bedeutendem Ausmaß geför- dert hat. Es sind die Schriften: itepl ovo\iaGiac, tiwv toö iv^ptuTtoo fiopi'uiv = über die Be- nennung der Körperteile, laxptxa ep(utrj|j.axa = ärztliche Fragen, Krankenexamen, eine ausgezeichnete Diagnostik, ouvotj;t(; wepl oipü-fiAmv = Uebersicht der Lehre vom Pulse (vielleicht unecht), uspi itoSä-fpas = über Gricht, nur in barbarischer latei- nischer Uebersetzung vorhanden, itepl zwv Iv yz'fpolc, v.ai TtootEt TraS-Av = Nieren- und Blasenleiden; nepl oaTupiao[ioü v.al fowppoMc, = von der Satjrriasis und dem Samenfluß; itspl <pap|j.dx(uv x&a-aptHidiv = über Abführmittel. Die Abhandlung uepl ooTüiv, sowie die Schrift über die Anatomie der inneren Teile des Menschen, icepl ttvaTojj.-?]? t<Lv TOÖ ivS'pcuTtou p.op'tuv, welche dem Rhuphos zugeschrieben wurden, ge- hören einem Ungenannten an', Ausgabe von Daremberg-Ruelle, mit französischer Uebersetzung (Paris 1879). Erste deutsche Uebersetzung von R. v. Töply „Anato- mische Werke des Rhuphos und Galenos, Wiesbaden 1904. Außerdem schrieb Rhu- phos über Geschichte der Medizin, akute und chronische Krankheiten, Gelbsucht, Diätetik (auch bei Meerfahrten), über Wein, Milch, Honig, Feigen, Hausarzneimittel, pflanzliche Arzneimittel, über Chirurgie, Gynäkologie, Augenheilkunde — wie ange- führte Büchertitel und Fragmente beweisen. Rhuphos hat uns eine für Anfänger bestimmte anatomische Schrift hinterlassen: „TJeber die Benennung der Körperteile, welche für die Ge- schichte der anatomischen Nomenklatur großen Wert hat, seine Kennt- nisse hat er nach eigener Angabe durch die Sektion an Affen erworben und er klagt darüber, daß man zu seiner Zeit nur auf Tierzergliederung beschränkt sei, höchstens die Körperoberfläche am lebenden Sklaven demonstrieren dürfe, früher dagegen hätte man zu Unterrichtszwecken menschhche Leichen zergliedert. Er beschrieb zuerst das Chiasma, kannte die Linsenkapsel, und ahnte den Unterschied zwischen Empfin- dungs- und Bewegungsnerven; auch schrieb er dem Nervensystem](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21352471_0001_0355.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


