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Credit: Geschichte der Medizin / Max Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![Nomina sunt omina, den Sprößling raXf]v($?, was so viel wie der Ruhige, Friedliche bezeichnet, doch das cholerische Temperament der Mutter erbte sich im Sohne fort, wie die Schreibart des großen Arztes allzuoft deutlich beweist. Nach vollendetem 14. Jahre lernte Galen bei verschiedenen Lehrern seiner Vaterstadt die Ideengänge der Stoa und Platonik, der peri- patetischen und epikureischen Philosophie kennen. Er empfand für die philosophischen Studien die größte Neigung und wollte sie ausschließlich fortsetzen; doch ein Traum seines Vaters, der als Inspiration des Asklepios angesehen wurde, veranlaßte den 17jährigen Jüngling, den eingeschlagenen Weg zu ändern und sich fortan vorzugsweise der Medizin zu widmen ein Entschluß, welcher für diese selbst wohl am bedeutsamsten werden sollte! Mathematisch - naturwissenschaftlich vorgebildet, in der Logik und Dialektik trefflich geübt, wurde er Schüler von ärzthchen Mei- stern ganz verschiedener Richtung, des Anatomen Satyros, des Hippo- kratikers Stratonikos, des Empirikers Aischrion u. a. — so wie er früher ohne einem einzigen Systeme zu folgen, die widersprechenden Lehr- meinungen der führenden philosophischen Denker zur selbständigen Ver- arbeitung in sich aufgenommen hatte. Der junge Mediziner benützte in Pergamos jede Gelegenheit, um interessante Krankheitsfälle zu beob- achten, er hielt mit seinem kritischen Urteil sogar gegenüber den Autoritäten nicht zurück und bereicherte seine praktischen Kenntnisse zuweilen auch durch volksmedizinische Heilarten. Galen hat in seinen Schriften so viel biographisches Detail hinterlassen, daß man sich über seinen Studiengang und seine späteren Erlebnisse in der Praxis dar- aus ziemlich genau unterrichten kann. — Pergamos gewährte durch sein Asklepieion, zu dem zahllose Kranke pilgerten, die günstigste Gelegenheit zu medizinischen Be- obachtungen. Unter anderem sah Galen viele Fälle während einer Karbunkelepidemie (die Bloßlegung der tieferen Teile durch die Geschwüre war sehr instruktiv für das anatomisch-chirurgische Studium), und er berichtet, daß sein Lehrer Stratonikos ver- altete Ulcera glücklich zu behandeln verstand. Charakteristisch bleibt es, daß er die Wunderkuren des Asklepios — auf dessen Weisungen zu achten er stets vor- gab — naiv-gläubig hinnahm und mehrere der göttlichen Heilungen (z. B. eines Falles von chronischem Seitenstechen) unter seinen Jugenderinnerungen später an- führte. Auch sonst berichtet er aus dieser Zeit manche Wundergeschichten und rühmt es seiner Heimat fälschlich nach, daß man dort, angeregt durch zufällige Erfahrun- gen, zuerst auf das Vipemgift als Heilmittel gegen Lepra u. a. aufmerksam wurde. Nach dem Tode des Vaters verließ Galen die Heimat, um an den vor?_eJimsten_P%;es^^ eine höhere ärzt- liche Ausbildung und allgemeine Kenntnisse (z. B. philosophische und linguistische) zu örlangen. In Smyrna hörte er ^^^lops, der sich insbesondere durch üntersuchung*i^^uFer Muskelana!tomir auszeichnete, dort erweiterte er auch in Gesellschaft der Tüchtigsten Aerzte seine Erfahrungen, z. B. über Nervenleiden und chirurgische Affektionen,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21352471_0001_0369.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


