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Credit: Geschichte der Medizin / Max Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![Qualitäten (Elemente) in Form der korrespondierenden Kardinalsäfte vor- herrschen, acht Dyskrasien unterschied, nämhch die warme, die kalte, die feuchte, die trockene, die warm-feuchte, die warm-trockene, die kalt-feuchte und die kalt-trockene Dyskrasie (vergl. S. 330). Be- deutsam war es ferner, daß er der qualitativen (Verderbnis, Fäulnis) und quantitativen (Plethora) Anomalie des Blutes eine weit höhere Rolle als den Abnormitäten der übrigen Kardinalsäfte einräumte, wo- durch der Uebergang der Humoralpathologie in die Hämato- pathologie angebahnt wurde. Die Pneumatheorie ist z. B, in der Lehre vom Fieber und von der Entzündung verwertet. Mit starker Anlehnung an die feine Begriffsdistinktion der Stoiker- Pneumatiker (vergl. S. 331) brachte der systematische Denker von Per- gamos Ordnung in die Lehre vom Krankheitsprozeß und in die Aetiologie, was sehr nötig war, weil man häufig in ganz verwirrender Weise entferntere und nähere Krankheitsursachen zusammenzuwarf oder Krankheitssymptome mit den eigentlichen Krankheitsvorgängen ver- wechselte. Zum Zustandekommen von Krankheiten gehört die Einwirkung äußerer Schädlichkeiten, Gelegenheitsursachen (aktat TtpoxatapxTtxal) auf die schon vorhandene Disposition (prädisponierende Ursachen); der In- begriff aller krankhaften Vorgänge heißt Stä^sat?. Bei der Krank- heit, welche im (j-runde immer eine abnorme Bewegung dar- stellt, ist viererlei zu sondern: 1. die unmittelbaren Ursachen der abnormen Bewegung (z. B. absolute und relative Plethora, Säftemangel, Säfte Verderbnis, alxiat Tcporfion^B'^a.i), 2. die abnormen Be- wegungen selbst, d. h. die Störung der vitalen Vorgänge (:rädo?), 3. die hiervon ausgehenden (nutritiven) Wirkungen in den kranken Teilen, die Krankheit im engeren Sinne (vöaTjixa), 4. die Sym- ptome. Letztere sind teils unmittelbare Funktionsstörungen, teils Folge- erscheinungen (z. B. Fieber), teils Veränderungen in den Sekretionen und Exkretionen; nach einem anderen Prinzip scheiden sie sich in wesent- hche (;ia*07Vü>|JL0Vtxa) und nebensächliche, erstere sind der Ausdruck des krankhaften (rrundzustandes, letztere werden durch die Art, die Heftig- keit etc. der Krankheit hervorgebracht. Es gibt ganz akute, akute und chronische (xarö^sa, bila, xpovta) Affektionen, diese entspringen zumeist aus Fehlern des Schleims und der schwarzen Galle, jene aus Anomalien des Blutes und der gelben Galle. Die Krankheitsstadien sind der Anfang («PX»])» die Zunahme (kzidotsK-), der Höhepunkt (a.%\iri) und die Abnahme (jrapax[i.7]), jedoch werden die- selben nicht unter allen Verhältnissen beobachtet (vergl. S. 333). Galen hat also — in Berücksichtigung der chronischen Leiden — die alte hippokratische Einteilung der Krankheit in die Stadien der Roheit, Kochung und Kjise aufgegeben; dazu steht es jedoch nicht im Gegen-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21352471_0001_0397.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


