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Credit: Geschichte der Medizin / Max Neuburger. Source: Wellcome Collection.
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![Milch, Eier u. a.), reinigende (expektorierende) und adstringierende Mittel, „Hypo- glottides (kleine bohnenförmige Ballen, die unter die Zunge gelegt wurden, dort sich langsam verflüssigten und heruntergeschluckt wurden), zur Anwendung; außex-dem diätetisches Regime, Bäder, Luftkurorte; bei entzündlichen Affektionen die Venäsektion. Lungeukrankheiten: Die Therapie der akuten Bronchitis bestand in der Dar- reichung von Honig (zur Erleichterung der Expektoration) und Opium mit gekochtem Weinmost; beim chronischen Katarrh verordnete Galen leichteren Wein, Narkotika, verbunden mit Pfeffer, Galbanum, besonders aber Marrubium vulgare. Weit schärfer als die Vorgänger trennte er die Pneumonie von der Pleuritis und bezeichnete als differentialdiagnostische Kennzeichen der ersteren: die größere Atemnot und die blutigen Sputa. Die Pleuritis wird definiert als vöo7]|j.a toü zu<; itXeupä? öreoCcuxiTOi; üfievoi; oder als (pXsY|J.ovf] dieser Membran. Bei der Pneumonie ist auf das verschiedene Aussehen der Sputa in den ein- zelnen Stadien der Krankheit, auf den Puls und die Atmung zu achten. Die Be- schaffenheit des Sputums zeigt an, welcher Humor durch seinen Zufluß die Ent- zündung erregt, ein ungünstiges Vorzeichen bildet der grüne, schwarze oder übel- riechende Auswurf. Der Puls ist groß, wellenförmig, sehr frequent, zuweilen kaum fühlbar, unregelmäßig und doppelschlägig, sehr gefährlich ist der Pulsus intercurrens, Die Respiration ist beschleunigt, vermehrt und flach, je mehr die Atemwege ver- stopft sind, desto mehr steigt die Atemnot. Bei der Pleuritis haben die Schmerzen einen stechenden Charakter, der Puls ist rasch, häufig, mittelgroß, heftig, sehr hart und sägend, die Arterien sind gespannt und hart. Um Verwechslungen mit Leber- leiden vorzubeugen, habe man auf das Verhalten des Stuhlganges, der bei letzteren charakteristische Veränderungen zeige, Rücksicht zu nehmen. Die Behandlung beider Affektionen ist im wesentlichen die gleiche, nebst warmen Umschlägen spielen der Aderlaß (an der Armvene der kranken Seite, so lange, bis das Blut eine leb- hafte Röte zeigt) und Pur ganzen (meist Koloquinthen imd Helleborus) die Haupt- rolle. Bei (prognostisch ungünstigem) Durchfall sind Opium, Hyosciamus und Diuretika zu geben; nach den Ausleerungen Honigwasser, Ptisanen, leichte Kost und Wein, namentlich bei spärlichem Auswurf. Die Diagnostik und Therapie des Empyems (Eiteransammlung im Räume zwischen Lunge und Brustwand) ist bei Galen nicht so ausführlich wie bei Hippokrates geschildert (nach Galen schwand die Neigung zur operativen Behandlung des E. immer mehr). Von der Lungen- schwindsucht unterschied der Pergamener eine entzündliche, ulzerative und eine schleichende Form. Die (püiia-ca, von denen er im Anschluß an Hippokrates mehr- mals spricht, bedeuten nicht Tuberkel, sondern Geschwüre, Eiterherde der Lunge. Als ätiologische Momente der entzündlichen Form gelten mechanische Läsionen; Zerrungen des Lungengewebes (auf die Läsion folge nämlich Entzündung und Ulze- ration), anhaltender Husten und besonders Hämoptoe werden als vornehmste Ur- sachen der Phthise erwähnt. Die Blutung kommt zu stände: 1. durch Ruptur der Gefäße (infolge Einwirkung mechanischer Gewalt, Schlag, Fall, Heben schwerer Gegenstände, lautes Schreien u. a,), 2. durch Erosionen der Gefäßwände (dabei gingen schon andere Symptome lange vorher, wie z. B. Auswurf infolge des Zu- Beschaffenheit, so entstehen (ohne Entzündung) Geschwüre auch in der Luftröhre. Letztere Form sei viel gefährlicher und führe oft plötzlich den Tod herbei. Nach Aretaios wäre Kynanche eine Entzündung der Atemwerkzeuge, Mandeln, der Epiglottis, des Pharynx, des Kehlkopfes, Zäpfchens und der Mundhöhle, Synanche dagegen ein Leiden des Pneuma, welches mit großem Angstgefühl und Affektionen der inneren Organe verbunden sei.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21352471_0001_0401.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


